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	<title>playersTALK &#187; Die Interviews</title>
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	<description>Abseits des Sports</description>
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		<title>Sascha Rösler &#8211; Das Interview</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 10:42:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Dang-anh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[playersTALK-News]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Rösler]]></category>

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Dieser Mann polarisiert. Wie kaum ein anderer steht er f&#252;r die offene Konfrontation, f&#252;r den unb&#228;ndigen Willen, f&#252;r den sprichw&#246;rtlichen Drecksack. Auf dem Platz, wohlgemerkt. Fu&#223;ballprofi Sascha R&#246;sler (Fortuna D&#252;sseldorf) zeichnet sich bei unserem Gespr&#228;ch durch Lockerheit und Feinsinnigkeit aus, die man bei einem Drecksack wohl so nicht vermuten w&#252;rde. Eine sehr interessante Unterhaltung mit [...]]]></description>
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<p>Dieser Mann polarisiert. Wie kaum ein anderer steht er f&uuml;r die offene Konfrontation, f&uuml;r den unb&auml;ndigen Willen, f&uuml;r den sprichw&ouml;rtlichen Drecksack. Auf dem Platz, wohlgemerkt. Fu&szlig;ballprofi Sascha R&ouml;sler (Fortuna D&uuml;sseldorf) zeichnet sich bei unserem Gespr&auml;ch durch Lockerheit und Feinsinnigkeit aus, die man bei einem Drecksack wohl so nicht vermuten w&uuml;rde. Eine sehr interessante Unterhaltung mit einem Mann, der gerade so etwas wie einen dritten Fu&szlig;baller-Fr&uuml;hling erlebt, der sich seiner Rolle sehr bewusst ist und der seinen Schwiegervater fast zur Verzweiflung brachte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span id="more-371"></span></p>
<p><em><strong>playersTALK: Sascha R&ouml;sler, sch&ouml;n, dass Du es geschafft hast! Wir freuen uns sehr!</strong></em></p>
<p>Sascha R&ouml;sler: Hallo, ich freue mich auch!</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wir gehen direkt in die vollen! Stichwort &bdquo;arbeitslos&ldquo;: Die Saison 2010/11 ging ohne Dich los. Dazu ein Zitat von dir: &bdquo;Das erste Mal seit f&uuml;nfzehn Jahren&#8230; Und dann merkt man schon, dass Fu&szlig;ball nicht alles ist.&ldquo; Kannst du das f&uuml;r uns noch mal n&auml;her beschreiben?</strong></em></p>
<p>SR: Seit ich siebzehn bin habe ich neben der Schule schon h&ouml;herklassig Fu&szlig;ball gespielt und habe recht schnell damit das eigene Geld verdient. Da macht man sich nat&uuml;rlich keine Gedanken dar&uuml;ber, dass irgendwann mal eine Zeit kommt, in der es nicht so l&auml;uft und man mal vertragslos sein k&ouml;nnte. Gerade in jungen Jahren so gar nicht, da hat man so viele andere Dinge im Kopf. Sobald man aber mal auf die 30 zugeht, kommen zwar die Gedanken an die Zeit nach der Karriere, und trotzdem schiebt man das immer so ein wenig vor sich her. &lsquo;Ich kann ja locker bis 35 spielen&#8230;&rsquo; Aber als es jetzt soweit war, dass ich zwei, drei Monate ohne Vertrag da stand und die Saison losging, da war das nicht ganz einfach f&uuml;r mich. Dann ist es gut, wenn man auch andere Sachen hat, die einem im Leben wichtig sind und die auch Spa&szlig; machen, der Fu&szlig;ball eben nicht alles ist. Das ist gerade f&uuml;r uns Fu&szlig;ballprofis wichtig, denke ich, etwas zu haben, das man nach der Karriere machen kann. Man braucht neue Ziele, sonst f&auml;llt man in ein sehr tiefes Loch&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Kann man sich denn da wirklich auf andere Sachen konzentrieren und sagen, na gut, dann habe ich jetzt eben daf&uuml;r und daf&uuml;r Zeit?</strong></em></p>
<p>SR: Ich spiele richtig gerne Golf und hatte jetzt auch mal richtig Zeit dazu. Au&szlig;erdem hat man dann pl&ouml;tzlich an den Wochenenden frei und sitzt nicht in irgendeinem Hotel, sondern kannst etwas mit deiner Freundin machen. Das sind alles angenehme Sachen. Aber als die Liga wieder losging, war es schon sehr komisch, das erste Mal seit f&uuml;nfzehn, sechzehn Jahren nicht dabei zu sein&#8230; Auf der anderen Seite war das f&uuml;r den Kopf mal entspannend, denn in dem Gesch&auml;ft hast du mit dem Konkurrenzkampf jede Woche, in der du dich beweisen musst, aufs Neue eine psychische Belastung. Das jetzt mal vor dem Fernseher zu betrachten und die F&uuml;&szlig;e hochzulegen, war schon angenehm.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Da bekommt man keine Angst, dass einem der Biss abhanden kommt?</strong></em></p>
<p>SR: Der Biss weniger&#8230; Anfangs habe ich schon gedacht, dass diese Phase schnell vorbei geht, dass sich bald M&ouml;glichkeiten ergeben. Dann kam aber so ein toter Punkt, wo ich gemerkt habe, es geht gerade gar nichts mehr. Dann str&auml;ubt man sich dagegen, unterklassige Sachen zu machen, bevor der Anspruch dann doch irgendwann sinkt. Gott sei Dank bin ich ruhig geblieben &ndash; und Gott sei Dank hat es ja dann auch mit dem Vertrag geklappt (Sascha R&ouml;sler wurde im Oktober 2010 von Fortuna D&uuml;sseldorf unter Vertrag genommen, <em>Anm. d. Red.</em>). Aber warte, du wolltest was ganz anderes wissen oder? Moment&#8230; Ach ja, ob man da nicht den Biss, die Konzentration verliert&#8230; Ja, man hat schon, na ja, nicht Angst, aber man sieht das Ende der Profikarriere kommen. Man merkt, man kommt nicht mehr so einfach in der ersten oder zweiten Liga unter und m&uuml;sste die Karriere eventuell unterklassig ausklingen lassen&#8230;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Eine &auml;hnliche Situation einer, nun ja, pers&ouml;nlichen Niederlage&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Oh Gott, nur die negativen Sachen&#8230;!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Keine Angst, wir kommen gleich zum Positiven&#8230; Eine &auml;hnliche Situation war doch die Sache mit Hans Meyer, der dich aus dem Profikader in Gladbach aussortiert hatte, obwohl du zuvor eine der S&auml;ulen des Aufstiegs und Vizekapit&auml;n warst&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Das war eine etwas andere Situation, weil ich ja da nicht vor dem Nichts stand. Aber in dem Moment hat es mich &uuml;berhaupt nicht interessiert, dass ich noch einen relativ gut dotierten Vertrag mit relativ langer Laufzeit hatte. Das war von der menschlichen Seite her eine Riesenentt&auml;uschung. Das ging rasend schnell: erst F&uuml;hrungsspieler, Vizekapit&auml;n und tragende S&auml;ule beim Aufstieg, dann drei Monate sp&auml;ter nach der ganzen Euphorie und der Aufstiegsfeier kommt der Hans Meyer und sagt dir nach zwei Wochen, dass du nur noch bei den Amateuren trainierst &ndash; das war vom Kopf her eine schwere Sache. Das war im Endeffekt der Knick meiner Erstligakarriere und der Beginn einer Phase, in der ich lange Zeit zu knabbern hatte. Da f&auml;llst du in ein Loch. Auf Amateurtraining hast du keinen Bock, musst es aber vertraglich machen. Die zwei Monate waren sehr hart. Das habe ich auch ins erste halbe Jahr in M&uuml;nchen (bei 1860, <em>Anm. d. Red.</em>) mitgeschleppt. Das konnte ich lange nicht ablegen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Auf das Menschliche wollte ich hinaus, und damit sind wir bei den positiven Dingen: Wie steckt man so was weg? Was du ja geschafft hast&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Wichtig ist, dass man dann Leute au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls hat, die einen unterst&uuml;tzen und f&uuml;r einen da sind. Sicherlich geht so was auch nicht von heute auf morgen, sondern braucht seine Zeit. Wenn man ein gutes Umfeld hat, das einem diese Zeit gibt und wenn man dann auch noch ein paar andere Hobbys hat, dann geht das schon. Dennoch verarbeitet das nat&uuml;rlich jeder anders, ein richtiges Rezept gibt es wohl nicht. Bei mir hat es auch ein bisschen l&auml;nger gedauert. Selbst in M&uuml;nchen habe ich in der ersten Zeit gemerkt, dass diese Angst wieder kam, man k&ouml;nnte etwas falsch machen, man k&ouml;nnte wieder abgeschoben werden. Man braucht wieder diese Sicherheit, dass das richtig ist, was man macht. Das hatte ich anfangs in M&uuml;nchen nicht. Harte Arbeit und der feste Glauben an mich haben mich da wieder rausgeholt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wir haben ja nun schon mit einigen Fu&szlig;ballern gesprochen, und fast alle waren sich in einem Punkt einig: Es ist unheimlich angenehm, wenn man gute Freunde hat, die &uuml;berhaupt nichts mit Fu&szlig;ball zu tun haben, mit denen man sich &uuml;ber alles andere unterhalten kann und die von sich aus gar nicht auf das Thema Fu&szlig;ball kommen. Das ist wahrscheinlich genau das, was du gerade ansprichst&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Ja, schon, wobei das nat&uuml;rlich nicht immer so einfach ist, weil du nicht unbedingt viele Leute hast, die mit Fu&szlig;ball rein gar nichts zu tun haben. Zwangsl&auml;ufig bewegst du dich um das Thema, weil es dein Beruf und Lebensinhalt ist. Umso sch&ouml;ner ist es dann nat&uuml;rlich, wenn ich nach Hause zu meiner Freundin komme, die mit mir &uuml;berhaupt nicht &uuml;ber Fu&szlig;ball reden m&ouml;chte. Das ist doch in jedem Beruf wichtig, dass man nicht alle Probleme mit nach Hause nimmt, sondern im Gegenteil da abschalten kann.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Hast du denn noch Kontakte aus der Jugendzeit oder &uuml;berhaupt von fr&uuml;her vor dem Fu&szlig;ball?</strong></em></p>
<p>SR: Weniger eigentlich. Meine Eltern haben sich fr&uuml;h scheiden lassen, ich bin fr&uuml;h nach Ulm gegangen. Meine Mutter lebt mittlerweile gar nicht mehr am Bodensee, sondern in Nordhorn. Ich selbst bin gar nicht so verwurzelt, dass es mich irgendwohin zur&uuml;ck zieht. Als meine Freundin und ich in M&uuml;nchen waren, haben wir gesagt, dass wir nach Aachen zur&uuml;ck und uns hier etwas aufbauen wollen. Uns gef&auml;llt es hier sehr. Ob das dann auch klappt, ist nat&uuml;rlich auch eine andere Frage. Gerade beruflich gesehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Ihr zwei, deine Freundin und du, seid ja bewusst ein gro&szlig;es Risiko eingegangen, als ihr zur&uuml;ck in den Westen, so war es zu lesen, gegangen seid, ohne beruflich Klarheit&nbsp; zu haben. Ihr habt da so ein bisschen gepokert&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Gepokert ja, aber das lag nicht nur am Westen, sondern auch deshalb, weil der Trainer Ewald Lienen (damals noch bei 1860, <em>Anm. d. Red.</em>) nicht unbedingt mein Wunschtrainer war. Ich bin in einem Alter, in dem ich mir viele Gedanken mache, egal ob im Training oder im Spiel. Ich war von seiner Philosophie nicht so &uuml;berzeugt und habe auch eine andere Einstellung zum Fu&szlig;ball, weshalb ich in der Situation mit ihm nicht ganz so zufrieden war. Als 1860 also relativ fr&uuml;h mit dem Angebot zur Verl&auml;ngerung kam, habe ich meinem Berater gesagt, wenn&rsquo;s irgendwie geht, w&uuml;rde ich gerne was anderes machen. Deshalb haben wir gepokert. Optimal war nat&uuml;rlich der Gang in den Westen, was aber noch lange nicht feststand. War ja auch nicht ganz so einfach. Was ich untersch&auml;tzt hatte: Durch die Eingleisigkeit der 3. Liga und das Aufl&ouml;sen der Regionalligen str&ouml;men viele Spieler ohne Vertrag in den Markt. Und viele Vereine setzen vermehrt auf die Jugend. Spieler &uuml;ber 30 tun sich im Allgemeinen heutzutage schwerer. Ich bin froh, dass die Chance mit D&uuml;sseldorf kam. Das Pokern hat sich gelohnt, obwohl ich auch schon angefangen hatte zu zweifeln. Ein bisschen Gl&uuml;ck geh&ouml;rt aber auch dazu&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: W&auml;rst du das Risiko auch ohne deine Freundin, also ohne diesen Halt, eingegangen?</strong></em></p>
<p>SR: Ich wei&szlig; es nicht, schwer zu sagen. Wenn sie nicht w&auml;re, k&ouml;nnte ich mir aber auch etwas ganz anderes vorstellen, ist ja klar. Aber dadurch dass sie hier verwurzelt ist und es mir hier so gut gef&auml;llt, warum sollten wir da noch sonst wo hin gehen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Zu lesen waren auch noch ein paar Dinge, die du &uuml;ber die Fans im Westen gesagt hast&#8230; weniger Futterneid, eine andere Mentalit&auml;t, die Spieler w&uuml;rden mehr auf H&auml;nden getragen.</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Das ist gut recherchiert &#8230;!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Inwieweit nimmt man so was als Spieler wirklich war?</strong></em></p>
<p>SR: Na ja, klar kommt man im allt&auml;glichen Leben mit Fans auch in Kontakt, in der Stadt oder so. Aber das war mehr auf meine Erfahrungen etwa bei Greuther F&uuml;rth oder in M&uuml;nchen bezogen. Da hatte ich immer das Gef&uuml;hl, dass da bei den Fans eine ganz andere Meinung vom Fu&szlig;ball vorherrscht: Die Fu&szlig;baller verdienen jung schon viel Geld und sind total verw&ouml;hnt, arrogant und &uuml;berheblich. Da schlug einem oft Neid entgegen, hatte ich das Gef&uuml;hl. Als ich zur Alemannia nach Aachen gewechselt bin, war ich ja zum ersten Mal im Westen. Und das war hier ganz anders! Das war egal, ob du mehr Geld verdienst als die Fans, hier z&auml;hlte nur, dass du f&uuml;r die Stadt und den Verein Leistung auf dem Platz bringst. Das war hier vielmehr eine Einheit. So habe ich das auch sp&auml;ter in Gladbach erlebt und jetzt in D&uuml;sseldorf wieder.</p>
<p>Auch in den Stadien ist das ein ganz anderer R&uuml;ckhalt. Nimm nur D&uuml;sseldorf in dieser Saison (gemeint ist die Saison 2010/11, w&auml;hrend der dieses Interview stattfand, <em>Anm. d. Red.</em>): Am Anfang wurde sechsmal verloren, trotzdem stehen die Fans 90 Minuten lang hinter der Mannschaft. Das ist nicht selbstverst&auml;ndlich.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Konntest du das auch au&szlig;erhalb der Stadien erkennen? So einen bestimmten Schlag Mensch in einem Nord-S&uuml;d-Gef&auml;lle?</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Ja, das ist ja &uuml;berall ein bisschen anders. F&uuml;rth ist da extremer, weil die Franken eh ein eigenes V&ouml;lkchen sind. Die sind eher so, nix Neues! Ich lasse erstmal keinen an mich ran!, und da ist es relativ schwer, Kontakt zu kriegen. Das ist im Westen um Einiges einfacher. M&uuml;nchen war jetzt auch nicht ganz so problematisch, aber da gibt es ja auch relativ wenige M&uuml;nchener&#8230; Keine Ahnung, vielleicht bin ich da auch etwas voreingenommen, weil es hier im Westen sportlich f&uuml;r mich sehr erfolgreich war, aber ich komme einfach hier mit den Leuten besser klar, als speziell mit den Franken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Woran liegt das?</strong></em></p>
<p>SR: Ich denke, die Franken sind schon etwas grantiger&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: &#8230;ich meine, von deiner Seite aus&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Keine Ahnung. Gerade in F&uuml;rth waren die Fans eben nicht immer einfach. Nicht vergessen darf man dabei aber, dass die seit Jahren immer oben mit dabei sind, aber nie aufsteigen. Vielleicht war deshalb die Stimmung oft so, dass eigentlich keiner so recht an die Mannschaft geglaubt hat. Dann hat die Mannschaft es nat&uuml;rlich auch schwer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: In deinen f&uuml;nfzehn Jahren als Profi hast du einige Vereine gesehen. Sind diese Wechsel auch pers&ouml;nlich belastend? Du sagtest eben, du seiest nicht wirklich verwurzelt, aber man lebt sich ja trotzdem ein&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Ich sag&rsquo; mal so, es gab Phasen in meinem Leben, da h&auml;tte ich es mir anders gew&uuml;nscht, auf jeden Fall! Gerade aus Aachen beispielsweise w&auml;re ich ja nie weggegangen, wenn es nicht den finanziellen Grund gegeben h&auml;tte. Gladbach kam da nat&uuml;rlich recht, um hier zu bleiben. Damit habe ich mir nat&uuml;rlich nicht besonders viele Freunde gemacht, gerade bei den Fans&#8230; Das war schon ein gro&szlig;er Nachteil. Ich bin ein Typ, der gerne mal auch irgendwo l&auml;nger bleiben w&uuml;rde, aber in diesem Berufszweig ist das oft schwer. Du willst sportlich weiter kommen, du musst nat&uuml;rlich auch auf die finanzielle Seite schauen, dann musst du schauen, wie der Verein plant und so weiter. L&auml;nger als drei Jahre hat es f&uuml;r mich leider nirgendwo geklappt.</p>
<p>Ich habe in Ulm angefangen und wollte mich weiterentwickeln, bin dann nach M&uuml;nchen, wo 1860 damals in der Champions League-Qualifikation spielte. Da war Werner Lorant Trainer und ich war jung und wollte unbedingt spielen. Also bin ich nach Greuther F&uuml;rth gewechselt, was sportlich gro&szlig;artig war, aber von den M&ouml;glichkeiten irgendwann eben limitiert. Und das mit Aachen und Gladbach war nat&uuml;rlich dann super. Im Endeffekt gehen die Profijahre eben so dahin.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Du sagtest gerade, das war ein Nachteil mit dem Wechsel von Aachen nach Gladbach, deren Vereine ja in einer regional angeheizten Rivalit&auml;t leben. Hast du das pers&ouml;nlich zu sp&uuml;ren bekommen?</strong></em></p>
<p>SR: Ja. Na klar. Ich war zwei Jahre&nbsp; in Aachen, das lief sportlich gut, ich bin mit den Fans und den Menschen hier gut klar gekommen. Mir ist klar, dass es f&uuml;r fanatische Anh&auml;nger nicht zu erkl&auml;ren ist, wenn einer wegen Geld den Verein verl&auml;sst. Und dann noch nach Gladbach. Das ist der Feind! Da kannst du hundertmal deine Sicht der Dinge darlegen. Aber f&uuml;r mich war zu der Zeit damals klar, dass ich den Wechsel machen musste. Wenn nicht nach Gladbach, dann woanders hin. Aber Gladbach war wegen der N&auml;he ideal, ich konnte hier, wo ich mich immer wohl gef&uuml;hlt habe, wohnen bleiben. Aber dadurch, dass die Fanlager so verhasst sind, bist du dann in Aachen bei vielen unten durch. Da gab es schon das ein oder andere Problem, aber das war alles im Rahmen. Das ging schon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Also nie so, dass du gedacht hast, ich muss hier unbedingt weg</strong></em>.</p>
<p>SR: So schlimm war&rsquo;s nicht. Wir haben in der Stadt gewohnt und sind dann aber doch aus der City rausgezogen, weil es schon so ein paar P&ouml;beleien gab. Auch Zettel am Auto und so. Aber nie so, dass wir hier komplett weg wollten. Das war halb so wild, das &Uuml;bliche eben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Das &Uuml;bliche? Zettel am Auto?</strong></em></p>
<p>SR: Na ja, das ist noch harmlos. Man wird eben auch schon mal privat angemacht, da kann man nichts machen. Aber man muss eben dazu sagen, dass es auch Fans gibt, die das verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wir haben vorher in der Redaktion dar&uuml;ber gesprochen und festgestellt, dass es wahrscheinlich haupts&auml;chlich ein Satz war, an dem sich viele hochziehen: In Gladbach sei alles eine Nummer gr&ouml;&szlig;er. Aber das ist doch auch so.</strong></em></p>
<p>SR: Na ja, aber das war noch nicht mal als b&ouml;ser Vergleich mit Aachen gedacht, das wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Wir haben das neue Stadion besichtigt und haben gesehen, dass da ungef&auml;hr 150 Menschen arbeiten. In Aachen hatten wir zu der Zeit den einen Container, in dem die Susanne Czienna sich um alles gek&uuml;mmert hat, was zu organisieren war, und eben die paar Leute im Fanshop. Da habe ich gesagt, dass da in Gladbach eben alles eine Nummer gr&ouml;&szlig;er ist. Dann stand das in der Zeitung, und die Leute in Aachen haben mir das ganz sch&ouml;n &uuml;bel genommen. Aber das war eben aus dem Zusammenhang gerissen, da stand nur dieser eine Satz.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Irgendwo gab es auch ein Zitat von dir, du w&uuml;rdest immer aus dem Bauch heraus entscheiden. Wenn man all diese Dinge abw&auml;gen muss, die ja durchaus auch ins Private gehen, bekommt an dann nicht auch mal Bauchschmerzen?</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Ich hatte bisher kein Magengeschw&uuml;r.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Kann man denn das dann &uuml;berhaupt noch aus dem Bauch heraus entscheiden?</strong></em></p>
<p>SR: Na ja, also eigentlich wollte ich ja damals auch schon nach Hoffenheim wechseln. Der Rangnick war ja schon in Ulm mein Trainer. Unter ihm wollte ich immer noch mal gerne trainieren, weil ich ihn f&uuml;r einen sehr guten Trainer halte. Mit meinem Berater bin ich dann nach Hoffenheim gefahren. Jan Schindelmeiser, der damalige Manager, hat uns alles gezeigt und ich stand dann da in dem Dorf und hatte so ein schlechtes Bauchgef&uuml;hl, dass ich zu meinem Berater gesagt habe, das geht nicht gut, ich habe kein gutes Gef&uuml;hl. Zwei Tage sp&auml;ter habe ich mich mit Christian Ziege (damals noch Sportdirektor in Gladbach, <em>Anm. d. Red.</em>) in D&uuml;sseldorf getroffen, wir sprachen &uuml;ber Gladbach. Ich habe meinen Berater angerufen und gesagt, wenn das irgendwie finanziell passt, mach Gladbach klar. Finanziell w&auml;re Hoffenheim sicherlich besser gewesen, aber mein Gef&uuml;hl sagte mir, lass es. Keine Ahnung warum. Ich habe auf meinen Bauch geh&ouml;rt.</p>
<p>Gerade in der Familie meiner Freundin gibt es viele Alemannia-Fans, ihr Vater war entsetzt, als ich nach Gladbach ging. &lsquo;N&auml;, blo&szlig; nicht nach Gladbach!&rsquo;, hie&szlig; es. Der geht seit 40 Jahren zum Tivoli und war im ersten Moment richtig sauer! Nach ein paar Stunden rief er aber an und meinte, Gladbach w&auml;re doch toll, da k&ouml;nnten seine Tochter und ich ja in der Gegend bleiben. Also ich war froh, dass ich das dann mit Gladbach gemacht habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wenn man dir so zuh&ouml;rt, dann h&ouml;rt man oft heraus, dass du dir schon sehr viele Gedanken machst, was deine Zukunft angeht. Gibt es denn da schon konkrete Sachen, die du schon angeleiert hast?</strong></em></p>
<p>SR: Man macht sich so seine Gedanken. Es ist momentan nat&uuml;rlich schwer zu realisieren. Aber fest steht, dass ich mir kaum eine Zukunft ganz ohne Fu&szlig;ball vorstellen kann. Da w&uuml;rde ich mich schwer tun. Ist aber auch nicht so leicht planbar, etwas in dem Bereich zu machen. Ich werde vielleicht die Trainerscheine mal angehen, mal sehen, wie sich das entwickelt. Je nachdem, wie sich die n&auml;chsten zwei, drei Jahre entwickeln, kann ich mir auch noch so zwei, drei andere Dinge vorstellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Bist du eigentlich direkt nach der Schule in den Profibereich gekommen? Hast du noch eine Ausbildung gemacht?</strong></em></p>
<p>SR: Ne, ich habe in Ulm neben dem Abitur schon beinahe Profifu&szlig;ball gespielt. Wir sind ja von der dritten in die Bundesliga durchmarschiert. Das war ein Gl&uuml;cksfall, dass das alles so schnell ging damals.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Ich frage deshalb, weil viele eine Ausbildung angefangen oder auch beendet haben, und sich nach der Fu&szlig;ballkarriere trotzdem nicht vorstellen k&ouml;nnen, in ihren alten Beruf zur&uuml;ckzugehen&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Ja, aber das Problem ist ja folgendes: Du machst mit 18 oder 19 eine Lehre als Schreiner oder so und spielst dann 15 Jahre Profifu&szlig;ball, da gehst du doch nicht hin und sagst, so, jetzt bin ich wieder Schreiner.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Gibt es da einen finanziellen Grund?</strong></em></p>
<p>SR: Das glaube ich nicht. Nach 15 Jahren entwickelst du dich ja auch weiter, hast andere Bed&uuml;rfnisse, andere Hobbys und andere Dinge, die dir Spa&szlig; machen. Da kannst du wahrscheinlich mit dem Schreinern nichts mehr anfangen. Ich wollte eigentlich gar kein Abi machen, ich wusste nur, dass ich Fu&szlig;ballprofi werden wollte. Von einer Ausbildung hatte ich keine Ahnung und dachte nur, ich reize das mit der Schule eben bis zum Schluss aus und sehe dann mal, ob es mit dem Fu&szlig;ball was wird. Hat ja Gott sei Dank geklappt und ich konnte mich voll auf den Fu&szlig;ball konzentrieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Hat Fu&szlig;ball denn auch etwas mit Rampenlicht zu tun, das einem den alten Beruf verleidet? Genie&szlig;t man das, wenn man es &uuml;berhaupt bekommt?</strong></em></p>
<p>SR: Pfft. Keine Ahnung. Vielleicht. Das meine ich ja, wenn ich sage, dass man nach der Karriere etwas finden muss, das einem Spa&szlig; macht, weil man ansonsten in ein Loch f&auml;llt. F&uuml;r viele ist das wahrscheinlich nicht ganz so einfach, dann wieder den alten Job oder sogar eine neue Ausbildung zu beginnen. Pl&ouml;tzlich wieder acht Stunden im B&uuml;ro und vorher haben die Leute mich im Stadion gefeiert &ndash; das kann schon ein Problem sein. Aber ich denke, das legt sich, sobald man mal ein, zwei Jahre raus ist. Bei uns ist es ja jetzt auch nicht so, dass das Blitzlichtgewitter losgeht, wenn wir durch die Stadt laufen. Ich bin ja eher B-prominent, da ist das bei uns nicht ganz so heftig&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Stichwort Prominenz. Ist das etwas, das dich eher weitergebracht hat oder hat dich das eher gest&ouml;rt? Schlie&szlig;lich kannst du dich ja nicht immer so normal durch die &Ouml;ffentlichkeit bewegen. Nach einem schlechten Spiel feiern gehen etwa. Schr&auml;nkt das eher ein oder kann man menschlich gar daran wachsen, indem man den Umgang damit lernt?</strong></em></p>
<p>SR: Im Alter ja. In jungen Jahren tut man sich nat&uuml;rlich extrem schwer. Es geht ja relativ schnell hoch, da l&auml;sst man sich auch gerne feiern und genie&szlig;t es, mir geh&ouml;rt die ganze Welt. Zwangsl&auml;ufig kommt die Phase, in der es auch mal wieder schlechter l&auml;uft und wo man auch wieder aufpassen muss. Man wird auf den Boden der Tatsachen geholt und fliegt nat&uuml;rlich mal auf die Fresse. Dann bekommt man vom Verein einen verbraten, aber je &auml;lter du wirst, desto weiter entwickelst du dich und kennst deine Grenzen. F&uuml;r dich und in der &Ouml;ffentlichkeit. Journalisten sind ja aber auch gerne mal vorne herum sehr nett und stellen dann aber so fies Fragen, dass die dann nachher auch anders schreiben k&ouml;nnen, als es gemeint war. Mit der Zeit lernt man das aber. Da wei&szlig;t du, mit wem du &uuml;ber was reden kannst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: War denn die extreme Geschichte mit Ulm im Nachhinein vielleicht sogar ganz gut? Also so bis in die Bundesliga durchzumarschieren, um direkt im Anschluss den D&auml;mpfer zu kassieren und sofort wieder zweimal abzusteigen?</strong></em></p>
<p>SR: Das h&auml;tte nicht sein m&uuml;ssen. Es war schade. Im Erstligajahr hatten wir, &auml;hnlich wie mit Aachen, schon fr&uuml;h recht viele Punkte. Zum Schluss sind wir doch abgestiegen, nachdem uns unter anderem eine 9:1-Niederlage gegen Leverkusen etwas aus der Bahn geworfen hatte. Man zieht da nat&uuml;rlich viel Aufmerksamkeit auf sich. Gerade wenn man das Ganze wie Rangnick aus dem Nichts geschaffen hat. Er ist aber dann relativ schnell nach Stuttgart gegangen, war also nicht mehr da. Dann ist es f&uuml;r einen Verein wie Ulm nat&uuml;rlich schwer, das Niveau zu halten. Der Abstieg in die zweite Liga war sportlich gesehen keine Schande f&uuml;r so einen kleinen Verein, aber es h&auml;tte trotzdem nicht sein m&uuml;ssen. Jetzt steht Ulm st&auml;ndig kurz vor der Insolvenz und d&uuml;mpelt im Amateurfu&szlig;ball. Das ist schade und h&auml;tte so nicht laufen m&uuml;ssen. Andere am Ruder h&auml;tten den Verein mindestens in der zweiten Liga halten k&ouml;nnen, denke ich.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Was konntest du f&uuml;r dich pers&ouml;nlich aus diesem extremen Auf und Ab in k&uuml;rzester Zeit mitnehmen?</strong></em></p>
<p>SR: Tja, das ist schon lange her. Zw&ouml;lf Jahre&#8230; Aber was man auf jeden Fall kennenlernt, sind die ganzen Schulterklopfer, die da sind, wenn es gut l&auml;uft und dich fallen lassen, sobald es mal nicht so gut aussieht. Und man wei&szlig;, dass man beim n&auml;chsten Mal ganz anders mit so einer Situation umgeht. Als junger Spieler l&auml;sst du wenn es gut l&auml;uft viel schleifen und denkst, das l&auml;uft jetzt alles von allein. Aber gerade dann muss man noch viel mehr im Training reinhauen, um eben das Niveau zu halten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Und l&auml;sst sich so eine Erfahrung auch mit in den pers&ouml;nlichen Alltag nehmen? Etwa niemals den Glauben an seine F&auml;higkeiten verlieren oder &Auml;hnliches?</strong></em></p>
<p>SR: Na ja, das ist ja sowieso immer das Wichtigste: Wenn du nicht an dich oder deine F&auml;higkeiten glaubst, wirst du in dem Gesch&auml;ft gar nichts erreichen. Das geht ja schon mit 14, 15 Jahren los, da gibt es so viele, die wirklich Talent haben, die es aber nicht zum Profi schaffen, weil sie nicht an sich glauben oder nicht alles f&uuml;r ihr Ziel tun. Der Glaube muss zwangsl&auml;ufig da sein, sonst hast du auf dem Niveau keine Chance.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Zweifel gab es nie bei dir?</strong></em></p>
<p>SR: (sofort) Doch! Ich kenne keinen Menschen, der nicht mal zweifelt. Es gibt doch immer Phasen mit R&uuml;ckschl&auml;gen, da kommt man automatisch mal ins Gr&uuml;beln. Aber zu 90 Prozent hatte ich immer den festen Glauben, dass ich es packen und etwas erreichen kann. Aber es ist doch ganz normal, ein paar Minuten in der Woche zu haben, wo man alles mal &uuml;berdenkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Hast du das Gef&uuml;hl, dass du Opfer bringen musstest f&uuml;r deine Karriere?</strong></em></p>
<p>SR: Also mir waren die in jungen Jahren jetzt nicht so bewusst. Klar gab es nicht die freien Wochenenden zum Rausgehen und Feiern. Aber da ich immer Profi werden wollte, ist mir das nie bewusst geworden. Mir hat nichts gefehlt. Es war zwar auch anstrengend, ich bin beispielsweise auch immer alleine mit dem Zug nach Ulm gefahren, was immer drei Stunden gekostet hat. Und vormittags noch die Schule. Das war schon ein ganz sch&ouml;ner&nbsp; Aufwand. Aber ich wollte das immer so und hatte nie das Gef&uuml;hl, etwas aufgeben zu m&uuml;ssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Und im Nachhinein?</strong></em></p>
<p>SR: Mir hat nichts gefehlt. Es ist wirklich so: Ich wollte unbedingt Profi werden und habe mir nie Gedanken gemacht, dass mir etwas fehlen k&ouml;nnte. Dadurch, dass ich es geschafft habe, kann ich auch sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Also waren da keine Opfer. W&auml;re ich kein Profi geworden, h&auml;tte ich den ganzen Aufwand nat&uuml;rlich in Frage gestellt.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wo wir gerade bei den Zweifeln sind&#8230; Auf dem Platz zeichnet dich unter anderem eine gewisse mentale St&auml;rke aus, die du ja irgendwoher beziehst und auf die du also auch im Privatleben zur&uuml;ckgreifen kannst. Woher kommt die?</strong></em></p>
<p>SR: Man darf nie den Fehler machen, den Fu&szlig;baller und den privaten Menschen gleich zu setzen. Auf dem Platz ist man immer ein ganz anderer Typ als privat. Wenn man da derjenige ist, der vorangeht und mentale St&auml;rke zeigt und gewisserma&szlig;en auch aggressiv ist, hei&szlig;t das nicht, dass sich das im normalen Leben auch so darstellt. Bei mir pers&ouml;nlich ergeben sich da zwei v&ouml;llig unterschiedliche Bilder. Es ist tats&auml;chlich so, dass ich, wenn ich mich nach dem Spiel im Fernsehen sehe, manchmal denke, oh Gott, was hast du denn da wieder gemacht?! Ich bin auf dem Platz ein emotionaler Typ, der das auch rauslassen muss. Da ist leider auch manchmal etwas J&auml;hzorn mit dabei. So bin ich aber privat nicht im Entferntesten. Aber beim Fu&szlig;ball war das immer schon meine Art, zu spielen. Ich konnte als Kind schon nicht verlieren, habe die Karten immer durch die Gegend gepfeffert, vielleicht kommt das daher. Das ist mittlerweile aber schon wieder viel, viel besser geworden. Jetzt in D&uuml;sseldorf spiele ich wieder mit dem Christian Weber zusammen, der mich noch von Greuther F&uuml;rth vor acht oder zehn Jahren her kennt, der best&auml;tigt mir das.</p>
<p>Aber ich habe mich durchaus schon mal f&uuml;r Dinge, die ich mit meinem Gegenspieler veranstaltet habe, gesch&auml;mt und gedacht, was warst du da f&uuml;r ein Asi&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Ich wollte eigentlich auch weniger auf die Aggressivit&auml;t hinaus, sondern mehr auf das, was man vielleicht mit Durchhalteverm&ouml;gen bezeichnen k&ouml;nnte. Eine gewisse Grundhaltung und eine Selbstsicherheit, die man ja zwangsl&auml;ufig auch als privater Mensch haben muss.</strong></em></p>
<p>SR: Aber das ist so eine Schiene, in die du irgendwann von der Presse geschrieben wird. Jeder Profi hat eine gewisse Grundeinstellung und mentale St&auml;rke, ohne die eine Profikarriere nun mal nicht m&ouml;glich ist. Bei mir kam jetzt auch Gl&uuml;ck dazu, meine Stellung in der Mannschaft und meine Art zu spielen, da erarbeitet man sich mit der Zeit nat&uuml;rlich auch einen bestimmten Ruf. In M&uuml;nchen war dieser Ruf aber im ersten halben Jahr auch ganz schnell wieder weg, da ging es vom Kopf her pl&ouml;tzlich nicht mehr. Aber da bin ich ein Bei&szlig;er und lasse mich nicht unterkriegen, was f&uuml;r meine gesamte Karriere unheimlich wichtig war. Vielleicht ist es das.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Hat es vielleicht auch damit zu tun, dass man irgendwann einfach nicht mehr alles an sich ran l&auml;sst? Mit Sebastian Deisler und im Extremfall Robert Enke gibt es ja Gegenbeispiele&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Ja, auf jeden Fall. Es ist nicht immer einfach. Als mich der Hans (Meyer, <em>Anm. der Red.</em>) in Gladbach aus dem Kader geschmissen hat, war ich auch wie vor den Kopf gesto&szlig;en und habe auch erste Anzeichen einer pers&ouml;nlichen Krise bei mir entdeckt. Aber wie gesagt, mein Gl&uuml;ck war, dass ich noch andere Dinge hatte und habe, die mich hochgehalten haben. Gut, die hatte der Robert mit Sicherheit auch, aber die Situation war wahrscheinlich eine andere, weil er nun mal richtig krank war.</p>
<p>Aber richtig, im Alter geht man durch die Erfahrung mit gewissen Dingen anders um. Und im Profifu&szlig;ball ist es durch den ganzen Leistungsdruck so, dass da viel auf deinen Kopf einwirkt. Da muss man wirklich aufpassen, dass man das nicht zu nah an sich ran l&auml;sst.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Bist du in der Hinsicht so etwas wie ein old-school-Profi? Ich habe gelesen, dass du beobachtet hast, dass junge Spieler heute schneller etwas flapsiger und lockerer sind&#8230;</strong></em></p>
<p>SR: Man muss ganz klar sehen, dass die Zeiten sich ge&auml;ndert haben. Als ich angefangen habe, mussten die jungen Spieler alles tragen und sich um alles k&uuml;mmern, w&auml;hrend die &Auml;lteren die jungen quasi erzogen haben. Da h&auml;tte sich nie jemand gewagt, einem &Auml;lteren gegen&uuml;ber mal die Klappe aufzumachen. Das hat sich vollkommen ge&auml;ndert. Die jungen Spieler haben teilweise so eine gro&szlig;e Klappe&#8230; du musst heutzutage als &auml;lterer Spieler im Training ja tats&auml;chlich das Tor mittragen oder die H&uuml;tchen aufstellen (lacht)&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Unfassbar!</strong></em></p>
<p>SR: (lacht) Katastrophe! Aber als ich jung war habe ich aber ganz ehrlich gedacht, dass ich das sp&auml;ter mal mit den jungen Spielern nicht so mache, wie ich es kennengelernt habe. Wir hatten damals schon eine recht extreme Mannschaft und haben ganz sch&ouml;n eins dr&uuml;ber bekommen, sodass du manchmal wirklich mit Bauchschmerzen zum Training gegangen bist&#8230; Mittlerweile geht es den Jungen aber gut. Teilweise zu gut. In Gladbach zum Beispiel, da kriegen die alles in den Arsch geschoben. Da stellen die 17-, 18-j&auml;hrigen ihre Schuhe hin, die werden dann f&uuml;r sie geputzt. Das finde ich schon wieder &uuml;bertrieben, die sollten sich so was erst verdienen. Da gibt es nat&uuml;rlich dann viele junge Spieler, die zu schnell meinen, sie w&auml;ren schon sehr weit. Da sind aber auch wir &auml;lteren Spieler gefragt, denen mithilfe unserer Erfahrungen klarzumachen, dass dem eben nicht so ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Glaubst du an so eine Vorbildsgeschichte? Zum einen: W&auml;rst du ein gutes Vorbild? Zum anderen: Funktioniert diese Vorbildfunktion des Fu&szlig;ballprofis heute noch?</strong></em></p>
<p>SR: Ja! Gerade bei den jungen Spielern ist das wichtig. Einige sind &uuml;berhaupt nicht erreichbar, andere h&ouml;ren sich aber auch an, wenn jemand was sagt. Marko Marin damals in Gladbach war beispielsweise ja schon sehr weit, hatte aber auch so seine Marotten und immer mal einen Spruch parat. Der h&ouml;rte aber auch mal zu, hat das immer super angenommen und lie&szlig; sich dementsprechend auch mal helfen. Es ist immer eine Frage des guten Drahts zu einem Spieler, ob man ein Vorbild sein kann oder nicht. Und in einer Mannschaft ist es immer so, dass es an den &Auml;lteren h&auml;ngt, wenn es mal nicht l&auml;uft. Da musst du den J&uuml;ngeren halt geben k&ouml;nnen. Das kannst du nicht von einem 18-, 19-j&auml;hrigen verlangen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Kann man das auch auf au&szlig;erhalb der Mannschaft &uuml;bertragen? Wenn es nicht um einen Mitspieler geht? Also da kommt auf der Stadt jemand auf dich zu und ist irgendwie unh&ouml;flich &ndash; meinst du, dem kannst du auch noch was sagen?</strong></em></p>
<p>SR: So habe ich es jetzt nie erlebt, dass ich irgendwie hineingeraten bin, wo ich h&auml;tte agieren m&uuml;ssen. Aber ich glaube schon, dass die Leute das schon wahrnehmen, wenn man ihnen freundlich entgegentritt. Wie gesagt kommt es aber immer auf die Bereitschaft deines Gegen&uuml;ber an. Du kannst nat&uuml;rlich freundlich ein Autogramm geben und er geht um die Ecke und haut jemandem trotzdem die Bierflasche auf den Kopf. Auf manche Sachen hat man keinen Einfluss. Aber f&uuml;r uns Fu&szlig;baller ist es schon wichtig, vor der Kamera nicht zu qualmen oder sich den Wodka reinzukippen, da gibt es schon noch eine gewisse Vorbildfunktion. Bei uns schauen Kinder beim Training vorbei, da ist man freundlich und h&ouml;flich, um ihnen das eben vorzuleben. Das ist ganz normal und kann von jedem Fu&szlig;ballprofi erwartet werden.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Bei aller Freundlichkeit &ndash; bewegst du dich nicht in einer Scheinwelt? Also merkst du nicht auch, dass man dir als Fu&szlig;baller anders, zuvorkommender begegnet?</strong></em></p>
<p>SR: Na klar ist da auch viel Schein dabei. Das ist wohl &uuml;berall so, wo es um Geld, um viel Geld geht. Da sind immer Leute, die dir auf die Schulter klopfen, solange die Geldmaschine funktioniert. Aber man lernt recht schnell, wer zum Schein da ist und wer sich wirklich um dich k&uuml;mmert. Ich bin aber trotzdem zu allen freundlich. Also ja, ich werde damit konfrontiert und bekomme das durchaus mit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wir haben jetzt doch viel &uuml;ber Fu&szlig;ball geredet&#8230; der spielt nat&uuml;rlich in hohem Ma&szlig;e eine Rolle in deinem Leben. Durch ihn bist du, wie du sagst, nicht so wirklich verwurzelt, hast keinen gro&szlig;en Kontakt mehr zu Jugendfreunden. Wer hat dich denn mehr beeinflusst in deiner pers&ouml;nlichen Entwicklung, Freunde und Familie oder eher Spieler und Trainer?</strong></em></p>
<p>SR: Teils, teils. Gerade in jungen Jahren haben mich sicherlich Mitspieler und Trainer sehr beeinflusst, schlie&szlig;lich spiele ich seit ich vier Jahre alt bin in einem Fu&szlig;ballverein. Da bist du jeden Tag mit den Leuten zusammen, meine Eltern waren beide berufst&auml;tig, ich war auf einer Ganztagsschule und habe mich immer auf den Fu&szlig;ball gefreut. Und da orientiert man sich nat&uuml;rlich auch an Mitspielern, die man jeden Tag um sich hat, klar. Sp&auml;ter kommst du dann in eine neue Mannschaft in einer anderen Stadt und hast eben zuerst und viel Kontakt mit den Mitspielern. Wo gehen die abends hin, was ziehen die so an, was h&ouml;ren die f&uuml;r Musik. Die sind dann n&auml;her an einem als die Familie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Dir ist es also immer relativ leicht gefallen, dich zurechtzufinden, wenn du irgendwo neu hingekommen bist? Auch zwischenmenschlich, meine ich?</strong></em></p>
<p>SR: Ja, damit habe ich wirklich nie Probleme gehabt. Ich kann sagen ich bin recht unkompliziert und denke nicht in schwarz und wei&szlig;. Ich kann mich eigentlich ganz gut auf die Leute einstellen. Klar gibt es immer Leute, mit denen man weniger klar kommt als mit anderen, aber ich kann mich mit jedem normal unterhalten. Integration in eine bestehende Mannschaft war f&uuml;r mich nie ein Problem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Sascha R&ouml;sler, vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</strong></em></p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Sascha+R%C3%B6sler+%E2%80%93+Das+Interview+http://tinyurl.com/7dfusbs" title="Post to Twitter"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://delicious.com/post?url=http://playerstalk.de/2012/01/09/sascha-rosler-das-interview/&amp;title=Sascha+R%C3%B6sler+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Delicious"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-delicious.png" alt="Post to Delicious" /></a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://playerstalk.de/2012/01/09/sascha-rosler-das-interview/&amp;t=Sascha+R%C3%B6sler+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://playerstalk.de/2012/01/09/sascha-rosler-das-interview/&amp;t=Sascha+R%C3%B6sler+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Daniel Adlung &#8211; Das Interview</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Nov 2010 21:11:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bipulse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[playersTALK-News]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Adlung]]></category>

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Auf dem Tisch ein Buch &#252;ber B&#228;lle und Kugeln und ihre Bedeutung im Laufe der Geschichte der Welt. Die &#228;u&#223;erst zuvorkommende Bibliothekarin hat sich einen kleinen Scherz erlaubt. Darf sie, schlie&#223;lich haben wir uns sehr wohl gef&#252;hlt in der altehrw&#252;rdigen Bibliothek des Aachener Suermondt-Ludwig Museums. Das lag aber ganz nebenbei auch an unserem Gespr&#228;chspartner. Daniel [...]]]></description>
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<p><img alt="" class="alignnone size-full wp-image-339" height="125" src="http://playerstalk.de/files/2010/11/teaser_adlung.jpg" title="teaser_adlung" width="510" /></p>
<p>Auf dem Tisch ein Buch &uuml;ber B&auml;lle und Kugeln und ihre Bedeutung im Laufe der Geschichte der Welt. Die &auml;u&szlig;erst zuvorkommende Bibliothekarin hat sich einen kleinen Scherz erlaubt. Darf sie, schlie&szlig;lich haben wir uns sehr wohl gef&uuml;hlt in der altehrw&uuml;rdigen Bibliothek des Aachener Suermondt-Ludwig Museums. Das lag aber ganz nebenbei auch an unserem Gespr&auml;chspartner. Daniel Adlung, 23, Fu&szlig;ballprofi, Deutscher Meister und Europameister, in einem sehr angenehmen Gespr&auml;ch &uuml;ber Freundschaft, die gelegentliche Tiefe der eigentlich profanen Frage &quot;Wie geht&#39;s?&quot; und ein Tabu, an dem sich seiner Meinung nach nicht viel &auml;ndern wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span id="more-329"></span></p>
<p><em><strong>playersTALK: Hallo Daniel Adlung! Sch&ouml;n, dass Du Dir f&uuml;r uns Zeit genommen hast.</strong></em></p>
<p>Daniel Adlung: Gerne! Hallo!</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Immer wenn du gegen deinen Ex-Verein F&uuml;rth spielst, wo du sportlich gro&szlig; geworden bist, kann man irgendwo etwas &uuml;ber deine Freundschaft zu Stephan Schr&ouml;ck lesen. Du bist jetzt schon etwas l&auml;nger aus der Heimat weg, wie wichtig ist da so eine Freundschaft? Und was ist das Besondere daran?</em></strong></p>
<p>DA: Mit ihm habe ich zusammengespielt seit wir beide f&uuml;nfzehn waren. Wir haben gemeinsam alle Jugendmannschaften bis hoch zu den Profis durchlaufen. Wir haben also quasi alles gemeinsam unternommen, das verbindet schon sehr. Es gibt immer wieder Freundschaften im Fu&szlig;ball, da h&auml;lt man dann auch den Kontakt. Bei Stephan Schr&ouml;ck und ist das noch mehr; er ist f&uuml;r mich wie ein Bruder, geh&ouml;rt zur Familie. Unser beider Eltern kennen sich auch schon lange und verstehen sich sehr gut. So eine Freundschaft ist schon wichtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie ist denn sonst der Kontakt nach Hause?</em></strong></p>
<p>DA: Alle meine Freunde, mit denen ich aufgewachsen bin, leben ja noch da. Meine Familie nat&uuml;rlich auch. Wenn ich mal l&auml;nger als zwei Tage am St&uuml;ck frei habe, fahre ich auch immer runter. Familie ist f&uuml;r mich sowieso das Wichtigste. Ich freue mich auch immer, wenn sie mich besuchen kommt, auch wenn wir eh t&auml;glich telefonieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Im Internet habe ich einen alten Steckbrief von dir gefunden. In dem hei&szlig;t es &uuml;ber deine Ziele im Leben, du m&ouml;chtest gerne gesund bleiben und eine Familie gr&uuml;nden. Du sagst ja gerade, die Familie sei dir das Wichtigste. Was meinst du, woher kommt das?</em></strong></p>
<p>DA: Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig viel Geld hatte und nicht allzu oft etwas zusammen unternehmen konnte. Aber die Male, die wir dann zusammen verbringen konnten, haben uns umso mehr zusammengeschwei&szlig;t, denke ich. Aus meiner Sicht war das gut f&uuml;r das Familiengef&uuml;ge. Wir sind zusammenger&uuml;ckt und haben nicht so individuell gelebt, wie das vielleicht in einer anderen finanziellen Situation m&ouml;glich gewesen w&auml;re.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ich frage deshalb, weil in diesem Steckbrief noch solche Dinge standen wie Porsche oder Lamborghini als Traumautos oder der FC Barcelona als Traumverein. Also gro&szlig;e sportliche Ziele und Tr&auml;ume, die man doch als so junger Sportler &ndash; und du warst ja noch j&uuml;nger, als du den Steckbrief ausgef&uuml;llt hast (zum Zeitpunkt des Interviews ist Daniel Adlung 22 Jahre alt, Anm. d. Red.) &ndash; eben hat. Weltmeister werden, Champions League spielen und so weiter. Und dann so etwas &bdquo;Vern&uuml;nftiges&ldquo; wie Gesundheit und Familie&#8230;</em></strong></p>
<p>DA: Na ja, nat&uuml;rlich arbeitet man auf solche sportlichen Ziele hin. Bei der kommenden WM (das Interview entstand vor der WM in S&uuml;dafrika, <em>Anm. d. Red.</em>) spielen wahrscheinlich auch ein paar Spieler mit, mit denen ich Europameister geworden bin (Daniel Adlung wurde 2009 mit der U21 Europameister. Im Kader waren damals Spieler wie Sami Khedira, Manuel Neuer, Mesut &Ouml;zil, J&eacute;r&ocirc;me Boateng oder Marco Marin, <em>Anm. d. Red.</em>). Im Fu&szlig;ball kann das ganz schnell gehen. Da sollte man sich ruhig auch mal Ziele au&szlig;erhalb des Sports setzen k&ouml;nnen. Der Sport ist mein Beruf, da arbeitet man sowieso zielgerichtet und will sich st&auml;ndig verbessern. Qualit&auml;t wird sich immer durchsetzen. Die sportlichen Ziele kann man erreichen.</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Auf derartige Ziele hast du dich ja recht fr&uuml;h eingeschossen. Sind da andere Dinge zu kurz gekommen?</em></strong></p>
<p>DA: Man musste aufs weggehen am Wochenende verzichten. Das geht nicht, wenn man am n&auml;chsten Tag ein Spiel hat. Aber das lohnt sich. Wenn man hart arbeitet, kann man es zum Profi schaffen. Viele haben Talent, werden aber durch andere Dinge abgelenkt. Es geh&ouml;rt schon viel Disziplin dazu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie fokussiert man sich denn als Jugendlicher auf &bdquo;Arbeit&ldquo; und &bdquo;Disziplin&ldquo;?</em></strong></p>
<p>DA: Da kommt wieder das Umfeld ins Spiel. Wenn ich damals durchgedreht w&auml;re, h&auml;tte mich meine Familie schon wieder auf den Boden geholt. Sie hat mir immer den R&uuml;cken gest&auml;rkt und mich unterst&uuml;tzt. Diese Hilfe braucht man einfach.</p>
<p>Als ich damals etwa die Ausbildung abgebrochen habe, weil ich mich zwischen ihr und dem Fu&szlig;ball entscheiden musste, h&auml;tte meine Mutter es schon lieber gesehen, dass ich meine Ausbildung zu Ende mache. Aber es war und ist das normalste der Welt, dass die Familie hinter einem steht und solche Entscheidungen mittr&auml;gt, was sie in meinem Fall auch getan hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Hast du vor, diese Ausbildung nach der Karriere fertig zu machen? Oder hast etwas anderes zu erlernen? Oder denkt man im Moment noch gar nicht daran?</em></strong></p>
<p>DA: Nein, im Moment denke ich nicht daran. Klar hat man als Fu&szlig;baller nicht soviel Zeit, Geld zu verdienen. Mit 34, 35 musst du soweit sein, dass du sagen kannst, ich habe gen&uuml;gend auf die Seite gelegt und kann selbst entscheiden, wie es weitergeht. Das gilt es zu erreichen. Wenn das nicht funktioniert, was ich nicht hoffe, dann muss man sich nat&uuml;rlich rechtzeitig umschauen. Man muss sich absichern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Beim Stichwort Absichern reden wir jetzt davon, dass die Familie versorgt ist oder geht es beim Geld auch um Status?</em></strong></p>
<p>DA: Wenn man Geld hat ist vieles einfacher, das ist eben so. Wenn ich eine Familie gr&uuml;nden und etwas aufbauen m&ouml;chte, f&uuml;hle ich mich wohler, wenn ich die finanziellen Mittel dazu habe. Wenn ich eben abgesichert bin. Aber Geld ist wirklich nicht alles. Man kann auch mit wenig Geld gl&uuml;cklich sein.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Was brauchst du denn zum gl&uuml;cklich sein? In dem alten Steckbrief stand auch, dass du sp&auml;ter gerne mal in Spanien leben w&uuml;rdest&#8230;</em></strong></p>
<p>DA: Ja, ich bin sehr interessiert an anderen Kulturen. Das beschr&auml;nkt sich jetzt nicht nur auf Spanien. Dieses Land hat&nbsp; mich deswegen gereizt, weil ich es nur vom Urlaub her kenne und ich mal etwas genauer hinschauen wollte. In anderen Kulturen gehen die Menschen Probleme und deren L&ouml;sungen anders an. Nicht immer so voller Druck wie in Deutschland. Und es funktioniert trotzdem. Das interessiert mich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Reist du denn viel, wenn du Zeit hast?</em></strong></p>
<p>DA: Meistens bleibt mir nur der Sommer, da will ich nicht nur weg sein, sondern auch meine Geschwister und meine Freunde in der Heimat besuchen. Da bleibt nicht so viel Zeit zum Reisen. Ich bin dann so maximal zwei Wochen unterwegs und verbringe den Rest zu Hause.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie viele Geschwister hast du?</em></strong></p>
<p>DA: Drei Geschwister. Zwei Schwestern und einen Bruder.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und wo bist du dazwischen?</em></strong></p>
<p>DA: Ich bin der zweite. Aber der heimliche Boss (lacht). Nee, Spa&szlig;, also eine &auml;ltere Schwester, dann komme ich und dann mein Bruder und noch ein kleine Schwester.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie sehen die das, dass du so ein erfolgreicher Fu&szlig;ballprofi geworden bist?</em></strong></p>
<p>DA: Allgemein ist meine Familie fu&szlig;ballverr&uuml;ckt. Bis auf meine &auml;ltere Schwester spielen alle. Die freuen sich nat&uuml;rlich und sind stolz, was mich umso mehr freut. Ich merke das immer, wenn sie mich anrufen und sagen, schick&rsquo; mal Autogrammkarten oder ein Trikot f&uuml;r meine Freunde. Gerade meine kleine Schwester, die ist jetzt f&uuml;nfzehn und spielt immer noch Fu&szlig;ball mit Jungs, weil sie auch recht gut ist. Die genie&szlig;t nat&uuml;rlich auch etwas Ansehen bei denen. Wenn ich etwa mal bei einem Spiel vorbei komme, ist sie richtig nerv&ouml;s vor ihren Freunden. Wobei mein Job f&uuml;r meine Geschwister mittlerweile wohl normal geworden ist.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Glaubst du, dass du auch so ein St&uuml;ck weit ein Vorbild f&uuml;r sie bist? In der Familie und vielleicht auch dar&uuml;ber hinaus, wenn du sagst, dass deine Schwester wegen dir auch ein gutes Standing hat?</em></strong></p>
<p>DA: Bestimmt, ja. Der Verein, beispielsweise, in dem sie spielt, ist mein alter Heimatverein. Ich mag ihn und die Leute dort immer noch sehr und bin auch immer noch gern gesehen dort. Das finde ich gut. Mir ist es wichtig, dass ich da nicht irgendwie arrogant r&uuml;ber komme, sondern gehe gerne mal wieder hin, trainiere bei den Kleinen mit oder so. Ich denke schon, dass man als Profi bei den jungen Kerlen oder M&auml;dels eine Vorbildfunktion hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du warst 17, als du Profi wurdest und lebtest noch zu Hause. Jetzt bist du 22 und schon seit l&auml;ngerer Zeit weit weg. F&uuml;hlt man sich da trotz der Telefonate manchmal allein?</em></strong></p>
<p>DA: Mit 17 habe ich noch zu Hause in F&uuml;rth gewohnt, ja. Aber ich bin recht fr&uuml;h mit meiner Freundin zusammengezogen, deshalb hatte ich auch immer jemanden. Mittlerweile ist das auseinandergegangen, weil es nicht mehr gepasst hat. Wir haben ein sehr gutes Verh&auml;ltnis zueinander und telefonieren auch noch regelm&auml;&szlig;ig. Wenn ich Hilfe brauche, kann ich sie genauso anrufen, wie meine Eltern. Klar gibt es manchmal Situationen, in denen man gerne jemanden bei sich h&auml;tte. Aber ich wei&szlig;, dass ich Leute haben, die zu mir stehen. Au&szlig;erdem bin ich jemand, der offen auf Leute zugehen kann, privat und auch innerhalb der Mannschaft. Ich bin immer mit Leuten unterwegs und zu Hause eigentlich nur zum Schlafen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das Kn&uuml;pfen von Freundschaften ist also kein Problem f&uuml;r dich, obwohl du relativ oft umziehen musst?</em></strong></p>
<p>DA: Es ist auch wichtig, bei einem neuen Verein Freundschaften zu kn&uuml;pfen, klar. Ich bin kein Einzelg&auml;nger, das kann ich gar nicht. Ich muss immer auf die Leute zugehen und merken, dass ich akzeptiert werde. Aber im Fu&szlig;ball ist das einfach, du bist jeden Tag mit den&nbsp; Kollegen zusammen und merkst schon, dass du dich mit dem einen besser verstehst und mit dem anderen au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls eher weniger zu tun hast. Das ist doch ganz normal. Als Fu&szlig;baller hast du von daher keine Probleme, Menschen kennenzulernen.</p>
<p>Wenn dann jemand auch noch l&auml;nger im Verein ist, kennt der wiederum mehr Leute au&szlig;erhalb des Berufs, die du dann wieder kennenlernst. Dann gehst du mit denen etwas essen oder abends mal raus. So ergibt sich eigentlich immer etwas.</p>

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<p><strong><em>PT: Wo du gerade vom Essen sprichst, kochst du eigentlich selber?</em></strong></p>
<p>DA: Ja, schon. Wenn ich mal Zeit und Lust habe, probiere ich ganz gerne mal was aus. Als ich noch mit meiner Ex-Freundin zusammen gewohnt habe, haben wir &ouml;fter gekocht. Das hat nicht immer geschmeckt, aber immer Spa&szlig; gemacht! Das ist auch so ein kultureller Aspekt, der mich anspricht: Wenn wir mit der Nationalmannschaft unterwegs waren, in Katar oder in der T&uuml;rkei beispielsweise, habe ich auch immer einheimische Gew&uuml;rze oder Zutaten zu guten Preisen gekauft. Hier zahlt man ja teilweise doppelt so viel&#8230; Ich koche nicht nach Rezept, sondern nach Gef&uuml;hl. Auch beim Einkaufen geht das aus dem Bauch heraus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Musst du denn auf deine Ern&auml;hrung streng achten? Im Alltag oder im Urlaub?</em></strong></p>
<p>DA: Hier (in Aachen, Daniel Adlung war bis zum Ende der Saison 2009/10 von Wolfsburg an Alemannia Aachen ausgeliehen, <em>Anm. d. Red.</em>) ist das nicht ganz so streng wie in Wolfsburg. Da mussten wir zweimal am Tag auf die Waage. Wenn man da zu viel auf den Rippen hatte, musste man Strafe zahlen und das Ganze so schnell wie m&ouml;glich runter bekommen. Hier wird einmal pro Woche gewogen, und wenn die Schwankungen da nicht allzu hoch sind, ist das auch in Ordnung. Davon abgesehen finde ich Ern&auml;hrung nat&uuml;rlich sehr wichtig. Der K&ouml;rper ist doch leistungsf&auml;higer mit guter Ern&auml;hrung als wenn man den ganzen Tag nur Dreck in sich rein stopfen w&uuml;rde. Nat&uuml;rlich geh&ouml;rt es auch dazu, dass man mal bei McDonald&rsquo;s isst oder sich eine Pizza bestellt. F&uuml;r mich geht es jedenfalls nicht ohne. Aber da muss man diszipliniert sein und wenn m&ouml;glich auf Qualit&auml;t achten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Was machst du sonst noch gerne?</strong></em></p>
<p>DA: Ich bin gerne mit Freunden unterwegs, quatschen, Kaffee trinken. Ich surfe gerne im Internet, youtube, die Seiten von Fu&szlig;ballvereinen oder auch bei Wikipedia, wenn ich mal was wissen m&ouml;chte. Mit dem iPhone ist man ja quasi immer online und kann so direkt nachschlagen, wenn im Gespr&auml;ch mit den Kumpels mal eine Frage aufkommt. Oder besser: Streitigkeiten aufkommen (lacht). Und ich spiele gerne auf der Playstation oder h&ouml;re Musik.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Hast du eigentlich die Zeit, auf Konzerte zu gehen?</em></strong></p>
<p>DA: Eher weniger. Wir k&ouml;nnen schlecht voraus planen, da die Trainingseinheiten von Woche zu Woche bekannt gegeben werden. Unter der Woche kann man da selten auf ein Konzert. Aber ich war schon auf verschiedenen Konzerten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Was ist denn f&uuml;r dich ein gutes Konzert, mal abgesehen von der Musik nat&uuml;rlich?</em></strong></p>
<p>DA: Ich h&ouml;re mir verschiedene Musikrichtungen an. Das wichtigste auf Konzerten ist f&uuml;r mich die B&uuml;hnenpr&auml;senz. Eine gute Show geh&ouml;rt f&uuml;r mich einfach dazu. Was ich auf Konzerten wirklich cool finde, ist die Atmosph&auml;re. Alle Leute wollen feiern und die Musik genie&szlig;en. Es ist nicht wie in einem Club, wo es schon mal schnell zu Streitigkeiten kommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ich frage deshalb, weil diese Show und diese Pr&auml;senz ja auch ein gro&szlig;er Teil deines beruflichen Alltags sind. Merkst du das, dass die Leute dich manchmal v&ouml;llig anders wahrnehmen, als du in Wirklichkeit bist?</em></strong></p>
<p>DA: Na klar, die Leute haben gerade von Fu&szlig;ballern oft ein falsches Bild. Auf dem Platz hat man aber tats&auml;chlich oft ein anderes Gesicht, als im Alltag. Deswegen muss man da differenzieren k&ouml;nnen. Es ist wichtig, dass die Leute nicht jeden &uuml;ber einen Kamm scheren, sondern vielleicht mal mehr erfahren &uuml;ber den Menschen.</p>
<p>Das baut nat&uuml;rlich auch einen gewissen Druck auf: Du kannst au&szlig;erhalb des Platzes nicht tun und lassen, was du willst. Du bist eigentlich st&auml;ndig unter Beobachtung. Sportlich und pers&ouml;nlich. F&uuml;r mich pers&ouml;nlich ist der Druck vielleicht sogar eher positiv, wenn dann Menschen auf mich zukommen und mich ansprechen. Ich finde das interessant.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Aber leider bleibt es ja nicht immer beim Ansprechen. Da wird auch schon mal gep&ouml;belt, oder?</em></strong></p>
<p>DA: Na ja, meist jedenfalls nicht unter der G&uuml;rtellinie. Aber Beleidigungen kommen einem schon mal entgegen geflogen. Die sind jetzt nicht so sch&ouml;n, aber meist noch im Rahmen. Wenn die Leute meinen, sie m&uuml;ssen dich jetzt beleidigen, beschimpfen oder sonst was, dann sollen sie das ruhig. Solange das nicht pers&ouml;nlich wird, geht es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und das kratzt dich &uuml;berhaupt nicht?</em></strong></p>
<p>DA: Na gut, ich bin ein Typ, der schnell auf so was reagiert&#8230; ich muss mich da immer zusammenrei&szlig;en. Mit der Zeit lernt man aber, damit umzugehen. Klar kommen immer Situationen, nach einem schlechten Spiel etwa, wo du beim B&auml;cker stehst und die Leute fragen dich, was wir da gestern wieder f&uuml;r eine Schei&szlig;e gebaut haben. Aber gut, das ist ihr Recht. Die Fans zahlen Eintritt und wollen nat&uuml;rlich Leistung sehen. Und wenn man die nicht erbringt, hat man als Fan das Recht, dich zu kritisieren. Sportlich und im Rahmen. Dann kann man sich wirklich auch mal unterhalten und auf die Kritik eingehen. Und schon wird ein Gespr&auml;ch daraus und keine Beschimpfung mehr. Es gab aber auch Situationen, in denen ich pers&ouml;nlich beleidigt wurde. Das geh&ouml;rt sich nicht. Da werde ich sehr schnell sehr sauer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie reagieren denn die Leute, wenn du tats&auml;chlich mal auf so eine sportliche Kritik mal antwortest? Also in ein Gespr&auml;ch verwickelst. Sind die Leute dann &uuml;berrascht?</em></strong></p>
<p>DA: Meistens ist es ja so, dass dich niemand alleine anspricht. Oftmals kommen die Leute in der Gruppe und dann so ein Spruch. Und wenn du sie dann in ein normales Gespr&auml;ch verwickelst, werden sie ganz anders, offener. Und &auml;u&szlig;ern ihre W&uuml;nsche, Anregungen oder Probleme zu den Dingen, die aus Fansicht falsch laufen. Und ich kann dann auch mal meine Sicht erl&auml;utern und sagen, was ich denke, woran es liegt. Als Sportler bringen wir ja nicht absichtlich schlechte Leistungen. Wir &auml;rgern uns selber ja auch. Aber es ist auch f&uuml;r mich schwieriger, mich gegen einen schw&auml;cheren Gegner zu motivieren, als gegen ein Team von der Tabellenspitze. Das ist eben so und liegt in der Natur des Menschen. Man untersch&auml;tzt sehr schnell, auch wenn man das selber gar nicht will. Das ist nat&uuml;rlich nur sehr schwer nach au&szlig;en zu erkl&auml;ren. Aber wenn man das tats&auml;chlich mal von Angesicht zu Angesicht macht, dann zeigen die Leute Verst&auml;ndnis.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ist das f&uuml;r dich ein Erfolgserlebnis oder eine Art Genugtuung, wenn du den Fans auch mal das andere Gesicht, von dem du eben gesprochen hast, von au&szlig;erhalb des Platzes, dein wahres Bild zeigen kannst?</em></strong></p>
<p>DA: Genugtuung nicht. F&uuml;r mich ist es nur wichtig, dass die Leute wissen, woran es liegen k&ouml;nnte, wenn es mal schlecht l&auml;uft. Zugegeben, wenn man nicht selber tagt&auml;glich da drin steckt, ist es manchmal schwer, Leistungsschwankungen nachzuvollziehen. Fans, die selber Fu&szlig;ball spielen oder Kinder haben, die im Verein sind, kritisieren z.B. oftmals auf andere Art und Weise, als Menschen, die nie selber aktiv waren. Da ist es wichtig, dass man den Kontakt sucht und seine Sichtweise darlegen kann.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder so gut auf Leute zugehen kann wie du. Und dass auch nicht jeder Kritik so einfach wegsteckt&#8230;</strong></em></p>
<p>DA: Das ist aber auch gerade das Interessante im Fu&szlig;ballgesch&auml;ft. Nicht jeder ist gleich. Manche sind nach einer Niederlage eine Woche lang am Boden zerst&ouml;rt, wenn sie dann auch noch schlecht gespielt haben. Nat&uuml;rlich bin auch ich entt&auml;uscht nach einem schlechten Spiel, aber ich versuche, immer nach vorne zu schauen und dann in der Woche eben noch mehr Gas zu geben. Damit es im n&auml;chsten Spiel eben besser wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Bist du grunds&auml;tzlich ein optimistischer Mensch?</em></strong></p>
<p>DA: Ich bin sehr optimistisch! Ich sehe immer das Gute, das Positive. Bei negativer Stimmung versuche ich auch immer, das Ganze mit einem doofen Spruch wieder aufzuheitern. Ich mag es, wenn man locker ist und Spa&szlig; hat. Auf dem Platz und ganz wichtig auch au&szlig;erhalb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du hast eben schon erw&auml;hnt, dass du als Fu&szlig;ballprofi in der &Ouml;ffentlichkeit nicht tun und lassen kannst, was du willst. Andererseits bietet der Beruf ja auch einige Freiheiten. Wo siehst du die da f&uuml;r dich?</em></strong></p>
<p>DA: Die Arbeitszeiten! Andere Leute gehen morgens um sieben ins B&uuml;ro und kommen abends um sechs nach Hause&#8230; bei uns ist das zwar auch harte Arbeit, aber immer &bdquo;nur&ldquo; zwei Stunden. Und wenn man manchmal nur einmal am Tag Training hat, dann bleibt das bei den zwei Stunden und hat den Rest frei. Oder auch mal den ganzen Tag. Das muss man sich jeden Tag vor Augen halten, dass das schon eine angenehme Situation mit viel Freizeit ist. Von au&szlig;en sieht das nat&uuml;rlich immer so aus, na ja, die spielen da ein bisschen Fu&szlig;ball, aber andererseits ist das eigentlich auch ein 24-Stunden-Job. Du musst auf dich achten, musst dich einschr&auml;nken und st&auml;ndig diszipliniert sein. Der Beruf hat Vor- und Nachteile.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Tattoos sind ja eine recht pers&ouml;nliche Sache. Manche davon tr&auml;gt man ja auch mit Stolz vor sich her. Von deinen sieht man ja auch Einiges. Ist das f&uuml;r dich auch so ein Teil der Freiheiten?</em></strong></p>
<p>DA: Ja, so wie ich auf den Armen oder den Nacken hoch kann sich halt nicht jeder t&auml;towieren lassen. Mein Bruder h&auml;tte zum Beispiel auch gerne Tattoos und hat mich gefragt, was ich meine, wo er sich t&auml;towieren lassen sollte. Da musste ich ihm sagen, dass es nat&uuml;rlich bei ihm nicht so einfach ist, wenn er im Versicherungsbereich im Sommer ein kurzes Hemd anhat und jemandem eine Versicherung verkaufen will. Das ist einfach so, leider. Trotz der Modernit&auml;t als K&ouml;rperschmuck eilt dem Tattoo immer noch der Ruf von Knast und Rotlicht voraus. Gerade bei der &auml;lteren Generation, die das oft nicht so gerne sieht. Ich merke das bei mir selbst, wenn ich im Sommer mit den vollt&auml;towierten Armen in der Stadt sitze und von &auml;lteren Leuten mit einem b&ouml;sen Blick bedacht werde. Aber in meiner Familie gab&rsquo;s auch &Auml;rger&#8230; mein Vater war sauer, meine Mutter hat zwei Wochen nicht mit mir geredet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Haben die Tattoos auch eine Bedeutung f&uuml;r dich oder geht es da mehr um Mode, K&ouml;rperschmuck eben?</em></strong></p>
<p>DA: Meine Tattoos haben alle eine Bedeutung&#8230;</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: &#8230;die du jetzt nicht sagen musst&#8230;</em></strong></p>
<p>DA: &#8230;(lacht) nee, nee, aber die haben alle mit meiner Familie zu tun und mit meiner Lebenseinstellung. Ich w&uuml;rde mir kein Tattoo stechen lassen, das keine Bedeutung hat. Deshalb trage ich sie, wie du eben sagtest, auch mit Stolz. Sie sind ein Teil von mir, deswegen zeige ich sie auch gerne. Die b&ouml;sen Blicke lassen mich eigentlich unber&uuml;hrt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du sagtest eben, du wirst ab und zu mal angesprochen und unterh&auml;ltst dich dann auch schon mal mit den Leuten. Dabei geht es wahrscheinlich ja prim&auml;r um Fu&szlig;ball, also deinen Beruf. Dein Spektrum ist aber doch viel gr&ouml;&szlig;er. Gibt es etwas, das du wirklich mal gerne gefragt werden w&uuml;rdest? Etwas, von dem du wei&szlig;t, dass es mindestens genauso wichtig ist, wie der Fu&szlig;ball&#8230;</em></strong></p>
<p>DA: Ganz normale und simple Sachen: Wie geht&rsquo;s? Wie f&uuml;hlst du dich? Das w&auml;re mal ganz nett. Also der rein menschliche Aspekt, ganz ohne Fu&szlig;ball. Bei Freunden ist das nat&uuml;rlich klar, aber bei Menschen, die von au&szlig;erhalb auf dich zukommen und sich nur f&uuml;r das Sportliche interessieren und mich auch nur als Sportler kennen&#8230; Das kommt nat&uuml;rlich nicht sehr oft vor, dass ein Fremder dich anspricht und dich fragt, wie es dir geht und wie du dich f&uuml;hlst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das w&auml;re doch wahrscheinlich auch zun&auml;chst mal seltsam, oder?</em></strong></p>
<p>DA: Also ich w&uuml;sste nicht, wie ich damit umgehen w&uuml;rde. Ich meine, man kennt es ja nur so: Wenn dich jemand anspricht, kannst du davon ausgehen, dass er dich als Fu&szlig;baller erkannt hat. Und dann wird man automatisch auch auf den Fu&szlig;baller reduziert. Ist eine interessante Frage, ich w&uuml;sste nicht, wie ich reagieren w&uuml;rde, wenn mich ein Fremder nicht als Fu&szlig;baller, sondern als Menschen ansprechen w&uuml;rde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Es gibt ja so eine Theorie, dass ein Fu&szlig;baller in seiner aktiven Laufbahn oberfl&auml;chlich ist. Er kommt st&auml;ndig in neue Situationen, in neue Personenkreise, aber immer im &auml;hnlichen Umfeld, dem Fu&szlig;ball eben. Das hei&szlig;t, man muss immer bei Null beginnen, bewegt sich aber auch immer im gleichen Themenfeld. Das muss ja zwangsl&auml;ufig oberfl&auml;chlich werden, die gemeinsame Basis mit aber wechselnden Kollegen ist immer das gleiche Thema. Dass da nur selten engere tiefer gehende Freundschaften entstehen, ist klar. Ist das nicht unheimlich anstrengend? Ist deshalb auch die Familie so wichtig, wie wirklich viele sagen?</em></strong></p>
<p>DA: Es ist wichtig, dass man differenzieren kann. Man muss sich eine gewisse Oberfl&auml;chlichkeit schon zulegen, weil man nicht mit jedem &uuml;ber private Dinge sprechen und ans Eingemachte gehen kann. Die kennen dich ja gar nicht, wenn du irgendwo neu im Verein oder in der Stadt bist. Menschen, mit denen du aufgewachsen bist, denen &ouml;ffnest du dich nat&uuml;rlich ganz anders. Da hat man einfach eine andere Basis.</p>
<p>Nach einiger Zeit lernst du deine Kollegen nat&uuml;rlich auch besser kennen und sprichst auch &uuml;ber private Dinge. Das ist aber immer etwas anderes, als solche gewachsenen Beziehungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Hat man da nicht manchmal Angst, dass man sich zwar finanziell absichern konnte, das Menschliche aber durch diese Oberfl&auml;chlichkeit im krassen Gegensatz dazu steht? Muss man sich menschlich auch absichern und der Oberfl&auml;chlichkeit rechtzeitig entgegenwirken?</em></strong></p>
<p>DA: Man muss sich in jedem Bereich weiterentwickeln. Das kommt aber automatisch, weil man immer wieder mal auf die Schnauze f&auml;llt. Da denkst du, du kennst da einen tollen Menschen, der dich dann pl&ouml;tzlich fallen l&auml;sst oder dich entt&auml;uscht. Gerade im Profigesch&auml;ft gibt es so viele falsche Freunde&#8230; Wenn du am Ende deiner Karriere durch bist mit dem Fu&szlig;ball, siehst du, wer deine wahren Freunde sind. Ich wei&szlig; gar nicht, ob ich das mit 22 Jahren schon so sagen kann. Es gibt jedenfalls Menschen, denen w&uuml;rde ich durchaus nachtrauern, wenn ich jetzt merken w&uuml;rde, das war doch nicht so eine enge Verbundenheit, wie ich immer dachte. Das ist schwierig. Man entwickelt sich automatisch weiter, und ich glaube nicht, dass es mit 35 pl&ouml;tzlich diesen harten Schnitt geben w&uuml;rde und man sieht, huch, die sind alle weg. Au&szlig;erdem hoffe ich, mit 35 meine eigene Familie und somit Menschen an meiner Seite zu haben, die schon w&auml;hrend der Karriere zu mir gehalten haben und das dann auch noch tun. Wenn du diesen R&uuml;ckhalt hast, kannst du dich auch problemlos in anderen Bereichen entwickeln und entfalten.</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Auch abseits des Platzes bewegt man sich doch als bekannter Sportler oft in einer falschen Welt, oder?</em></strong></p>
<p>DA: Es gibt schon eine Menge Leute, die dir Honig um den Bart schmieren. Das erkennt man nicht immer. Und es ist wirklich sehr selten, dass jemand auf dich zukommt und sagt, he, ist nicht, mir ist egal, wer du bist. Vitamin B scheint manchmal wichtiger als zum Beispiel Geld zu sein. Deshalb gibt es wirklich wenige Einschr&auml;nkungen. Ja, das ist oft eine falsche Welt, stimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Apropos Scheinwelt: Homosexualit&auml;t im Fu&szlig;ball. Warum ist das so ein Tabu?</em></strong></p>
<p>DA: Schwer zu sagen. Das ist im Fu&szlig;ball einfach ein no-go. Wenn man sich im Fu&szlig;ball outen w&uuml;rde, w&uuml;rde man kaputt gemacht. In England gab es ja Beispiele. Das war wie eine Hexenjagd. Das geht einfach nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wer macht einen denn da kaputt? Die Fans? Die Kollegen?</em></strong></p>
<p>DA: Alle. Auch innerhalb der Mannschaft, da bin ich sicher. Au&szlig;erhalb des Sports hat keiner wirklich ein Problem mit Homosexualit&auml;t&#8230; ich sehe nat&uuml;rlich lieber zwei Frauen als zwei M&auml;nner, aber ich habe nichts dagegen. Das hat mich ja auch nicht zu interessieren. Aber im Sport ist das ein heikles Thema. Ich habe das Gef&uuml;hl, das wird sich im Fu&szlig;ball niemals &auml;ndern. In anderen Sportarten vielleicht, aber im Fu&szlig;ball&#8230; nein. Ich kann nicht sagen, woran das liegt. Ich meine, rein statistisch liest man ja immer wieder, jeder soundsovielte Spieler ist schwul, man h&ouml;rt immer wieder Ger&uuml;chte von dem und dem. Aber man gesteht sich das in seinem n&auml;heren Umfeld nicht ein. Ich kann nicht sagen, warum das immer noch so ist&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Daniel Adlung, vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</em></strong></p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Daniel+Adlung+%E2%80%93+Das+Interview+http://xpz2x.th8.us" title="Post to Twitter"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://delicious.com/post?url=http://playerstalk.de/2010/11/22/daniel-adlung-das-interview/&amp;title=Daniel+Adlung+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Delicious"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-delicious.png" alt="Post to Delicious" /></a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://playerstalk.de/2010/11/22/daniel-adlung-das-interview/&amp;t=Daniel+Adlung+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://playerstalk.de/2010/11/22/daniel-adlung-das-interview/&amp;t=Daniel+Adlung+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Markus Daun &#8211; Das Interview</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 23:08:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Dang-anh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Daun]]></category>

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Ein Interview im Sitzsack. Na ja, auf dem Sitzsack. Schwierig genug, sich da zu halten, als w&#252;rde sich die F&#252;llung eben nicht sek&#252;ndlich nach vorne verabschieden, und als w&#252;rde man eben nicht mit jedem Wort immer mehr zusammenschrumpfen. Macht aber eigentlich auch nichts, denn Markus Daun sitzt da, malt w&#228;hrend des gesamten Gespr&#228;chs ein Bild [...]]]></description>
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<p><img alt="" class="alignnone size-full wp-image-315" height="125" src="http://playerstalk.de/files/2010/07/markus.jpg" title="markus" width="510" /></p>
<p>Ein Interview im Sitzsack. Na ja, auf dem Sitzsack. Schwierig genug, sich da zu halten, als w&uuml;rde sich die F&uuml;llung eben nicht sek&uuml;ndlich nach vorne verabschieden, und als w&uuml;rde man eben nicht mit jedem Wort immer mehr zusammenschrumpfen. Macht aber eigentlich auch nichts, denn Markus Daun sitzt da, malt w&auml;hrend des gesamten Gespr&auml;chs ein Bild f&uuml;r seine Tochter und erz&auml;hlt. Dabei ist er so entspannt und gewitzt, dass der wachsende H&ouml;henunterschied zwischen Interviewer und Interviewtem keine Rolle spielt &#8211; zumindest gibt er dem Interviewer das Gef&uuml;hl.</p>
<p>Markus Daun (29) ist Profifu&szlig;baller, den es sehr fr&uuml;h zur&uuml;ck in die Heimat gezogen hat, weil er eine starke Verbundenheit sp&uuml;rt und lebt. Im Interview mit playersTALK spricht er &uuml;ber Herzblut, das Aufzeigen von Alternativen und warum er lieber in den Kindergarten gegangen w&auml;re, als nach Amerika.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span id="more-282"></span></p>
<p><strong><em>playersTalk: Hallo Markus Daun, herzlich Willkommen bei playersTALK!</em></strong></p>
<p>Markus Daun: Hallo, vielen Dank!</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie du wei&szlig;t, versuchen wir Themen anzusprechen, die in erster Linie nichts mit deinem Beruf zu tun haben, die aber nat&uuml;rlich das Leben, das du als Profisportler f&uuml;hrst, tangieren. Und umgekehrt, denn schlie&szlig;lich d&uuml;rfte der Fu&szlig;ball dich schon fr&uuml;h beeinflusst haben&#8230;</em></strong></p>
<p>MD: &#8230;richtig. Ich bin mit 14 Jahren von meinem Dorfverein (Germania D&uuml;rwi&szlig;, <em>Anm. d. Red.</em>) zu Bayer Leverkusen gegangen, zeitgleich mit einem Kumpel von mir. Ein bosnischer Fl&uuml;chtling, dessen Onkel ihn damals bei Kriegsausbruch quasi vom Spielen weggeholt und mit nach Deutschland genommen hatte, ohne dass seine Eltern zun&auml;chst davon wussten. Hier angekommen brauchte er nat&uuml;rlich auch einen Job, und da hat man das damals mit dem Hobby seines Neffen verbunden und ihn zum Fahrer zwischen Leverkusen und Aachen gemacht. T&auml;glich, ob Training oder Spiel. Der Kumpel von damals spielt &uuml;brigens mittlerweile auch noch in der 2. Bundesliga.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Dann bist du 2002 zur Alemannia nach Aachen ausgeliehen worden, was eigentlich ja keine Heimkehr war, da du ja im Grunde nie weg sondern im Gegenteil lange zuhause warst. </em></strong></p>
<p>MD: Ja, das war auch wichtig f&uuml;r mich. Man sieht es ja heutzutage: Es gibt die Auflage des DFB, Fu&szlig;ballinternate einzurichten, was es damals noch nicht verpflichtend gab. Das war perfekt f&uuml;r mich, da ich so den schulischen Weg, den ich letztendlich mit dem Fachabitur abgeschlossen habe, auch wirklich gehen konnte. Einfach war das nat&uuml;rlich nicht, ich habe oft gefehlt, hatte meist etwas anderes im Kopf. Weil ich aber zuhause war, habe ich allein schon vom famili&auml;ren Umfeld her genug Fokus auf das Fachabi gelegt bekommen, um es ordentlich abzuschlie&szlig;en. Bis dahin habe ich zumeist noch bei meiner Mutter gewohnt, obwohl ich sp&auml;ter auch in Leverkusen eine Wohnung hatte. Da habe ich aber nur &uuml;bernachtet, wenn es morgens ganz fr&uuml;h raus ging. Lange genug zuhause zu bleiben, war f&uuml;r mich der richtige Weg, denke ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: War dir das mit der schulischen Ausbildung denn damals schon so klar oder kam da auch viel von deinen Eltern?</em></strong></p>
<p>MD: Als Junge, der in dem Alter zu einem Profiverein wechselt, hat man nat&uuml;rlich noch Flausen im Kopf. Warum die Schule, das mit der Profikarriere packst du doch gerade &ndash; jugendlicher Leichtsinn. Heute bin ich sehr froh, dass meine Eltern mir immer wieder mahnend auf die Finger geklopft haben und mir immer wieder vorbeteten, ich solle die Schule zu Ende machen, ich w&uuml;rde sp&auml;ter davon profitieren. Das habe ich bisher zwar noch nicht, habe aber immer noch die Option. Mit Fachabi und einem einj&auml;hrigen Praktikum, das ich bei Bayer gemacht habe, kann ich zum Beispiel hier in Aachen an der FH studieren. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich zwar davon aus, nicht mehr zu studieren, aber es ist ein beruhigendes Gef&uuml;hl zu wissen, dass die M&ouml;glichkeit immer besteht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Haben dieser Schutz und die Weitsicht deiner Eltern dich als Profisportler irgendwie beeinflusst? Also konntest du dich sportlich anders entwickeln, als wenn du nicht im famili&auml;ren Umfeld aufgewachsen w&auml;rst? </em></strong></p>
<p>MD: Schwer zu sagen. In Bremen habe ich beispielsweise mit Tim Borowski gespielt. Der hat seine komplette Jugend in Bremen verbracht, kommt aber aus Neubrandenburg, was ein paar Stunden entfernt ist. Ich glaube schon, dass ihm sein zu Hause ab und an mal gefehlt hat. Er hatte mir mal eine Haush&auml;lterin empfohlen, und ich fragte ihn, wie sie miteinander zurecht k&auml;men. Tim sagte, sie sei seine Ersatzmama in Bremen gewesen. Er ging mit dem Sohn zur Schule und hat nachmittags teilweise bei ihnen mitgegessen. Da habe ich schon gesehen, dass es f&uuml;r viele junge Spieler gar nicht so einfach ist. Auf der anderen Seite wird man nat&uuml;rlich selbst&auml;ndiger, wenn einem die Familie nicht mehr so viel abnimmt. Wenn sich das die Waage h&auml;lt, ist es eine gute Erfahrung, sich durchboxen zu m&uuml;ssen. Aber es ist wichtig, dass man sich auch mal irgendwo ausheulen kann&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Deine &bdquo;Reise&ldquo; f&uuml;hrte dich mit 28 Jahren wieder in die Heimat. Du hast damals gesagt, dass, wenn man in Aachen Interesse habe, du mit keinem anderen Verein verhandeln und dich auch gerne langfristig binden w&uuml;rdest. War das deiner st&auml;ndigen N&auml;he zu deiner Familie geschuldet?</em></strong></p>
<p>MD: Als ich damals Aachen schon nach einem halben Jahr wieder verlassen habe, war das der schwierigste Abschied, den ich bisher erlebt habe, obwohl ich auch in Bremen und zuletzt Duisburg sehr sch&ouml;ne Jahre erlebt habe. Das ist mir so schwer gefallen, aber ich hatte die Chance, h&ouml;herklassig zu spielen. Das nimmt man als Junge nat&uuml;rlich war. Ich habe das gemacht, um der Chance nicht irgendwann nachtrauern zu m&uuml;ssen. Aber Aachen und die Alemannia habe ich nie aus den Augen verloren, habe mir Spiele angeschaut, wenn ich in der N&auml;he war, habe Ergebnisse verfolgt. Ein besonderes Ereignis war f&uuml;r mich dann auch das Pokalfinale gegen Aachen, das wir ja gewonnen haben. Und danach bin ich trotzdem noch vor die Aachener Fankurve gegangen.</p>
<p>Ich habe mich immer sehr verbunden gef&uuml;hlt und irgendwann gewusst, dass ich auf jeden Fall wieder dorthin zur&uuml;ckkehre. Dass das jetzt schon mit 28 der Fall war, das hatte andere Gr&uuml;nde. Meine vielen Verletzungen zum Beispiel, die mich oft zur&uuml;ckgeworfen haben. Klar h&auml;tte ich gerne noch l&auml;nger in der ersten Liga gespielt, aber so ist das im Profisport. Ich bin zufrieden mit meiner Karriere, es h&auml;tte durchaus schlechter laufen k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich war ich nie das Riesentalent, habe zwar in den U-Nationalmannschaften gespielt, war aber nie gesetzt und musste mir immer alles erk&auml;mpfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Was war denn eher ausschlaggebend, der Verein oder die Heimat?</em></strong></p>
<p>MD: Mir ist der Verein sehr wichtig! Ich habe damals zu einer sehr schweren Zeit in Aachen gespielt, n&auml;mlich als er fast Pleite war. Wir waren eine Truppe, die qualitativ nicht unbedingt berauschend war, beziehungsweise keine besondere Saison gespielt hat, aber wir haben f&uuml;r den Verein alles gegeben. Wir haben auf Gehalt verzichtet, was kaum jemand wei&szlig;, wir haben Geld gespendet und haben Geld gesammelt. Und wir haben den Abstieg vermeiden k&ouml;nnen. All das macht mich fast noch stolzer, als die Titel, die ich in meiner bisherigen Karriere erreicht habe (Double mit Bremen, Aufstieg mit Duisburg, <em>Anm. d. Red</em>.).</p>
<p>Denn damals haben wir hier etwas erreicht, wovon heute noch profitiert wird. Es wird immer vom UEFA-Cup gesprochen (Alemannia Aachen spielte nach dem Erreichen des DFB-Pokalfinals in der folgenden Saison im UEFA-Cup und scheiterte erst in der 3. Runde, <em>Anm. d. Red.</em>), das steht aber alles auf dem Fundament, das wir damals gelegt haben. H&auml;tten wir damals die Klasse nicht gehalten, w&uuml;rde es Alemannia Aachen gar nicht mehr geben. Ich bin schon stolz, dass ich damals dabei war&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Es ist eine Herzensangelegenheit&#8230;</em></strong></p>
<p>MD: &#8230;weil ich ja auch damit aufgewachsen bin, hier in der Heimat, klar!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Woran denkst du, wenn du von &quot;Heimat&quot; sprichst?</em></strong></p>
<p>MD: Wie beispielsweise gestern Abend einen Anruf zu t&auml;tigen, und schon sitzen f&uuml;nf Kumpels in einem portugiesischen Restaurant zusammen, essen eine Kleinigkeit, trinken ein Bier und schauen danach zusammen Fu&szlig;ball. In den St&auml;dten, in denen ich vorher berufsbedingt gelebt habe, fokussierte sich das zumeist nur auf die Mitspieler. Au&szlig;erhalb gab es wenige Kontakte, zumindest wenige, die etwas tiefer gingen. Hier habe ich mit Leuten zu tun, die in der Kreisliga A spielen oder mit Leuten, die bis heute nicht die Abseitsregel verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das ist wahrscheinlich auch mal ganz angenehm&#8230;</em></strong></p>
<p>MD: &#8230;ja nat&uuml;rlich! Hier zu Hause habe ich mit Leuten zu tun, die nicht nur den Fu&szlig;ball zum Thema haben, die ganz normalen Jobs nachgehen oder die Zahnmedizin studieren und ganz andere Sachen im Kopf haben. Es ist sch&ouml;n, sich auch mal &uuml;ber solche anderen Dinge zu unterhalten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Sind da auch noch Jugendfreunde dabei?</em></strong></p>
<p>MD: Ja, ausschlie&szlig;lich. Der Kontakt&nbsp; ist nie abgebrochen, ich habe immer viele gute Freunde gehabt. F&uuml;r die ich auch einiges auf mich nehmen w&uuml;rde. Und umgekehrt. Ich denke, man kann neben den ganzen sportlichen Erfolgen auch durchaus darauf stolz sein, Freunde zu haben, auf die immer noch Verlass ist, f&uuml;r die ich immer noch der Markus von fr&uuml;her bin und die einen schon vor Geld und Erfolg kannten. Als j&uuml;ngerer Spieler denkt man da nat&uuml;rlich anders, da ist einem das Geld auch wichtig. Ich w&uuml;rde mir aber heutzutage beispielsweise nicht mehr das schweineteure Auto kaufen, sondern sehen, dass es in den finanziellen Rahmen passt, damit weder meine Frau noch meine Kinder auf etwas verzichten m&uuml;ssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Die berufsbedingten Ortswechsel waren also </em></strong><strong><em>f&uuml;r dich </em></strong><strong><em>nie ein negativer Aspekt der Karriere?</em></strong></p>
<p>MD: Ich w&uuml;rde auch heute noch sagen, dass es richtig war, mal wegzugehen, auch in so jungen Jahren. Eine Auswirkung war vielleicht, dass sich Jugendfreundschaften gefestigt haben. Meine Freunde haben mich oft besucht, waren immer da, wenn ich sie gebraucht habe. An meinen Geburtstagen sind sie nach Bremen gekommen oder auch nach N&uuml;rnberg gefahren. Trotz der Entfernungen habe ich immer ihre Zuneigung erfahren d&uuml;rfen. Als ich nach Aachen zur&uuml;ckgekommen bin, haben sich alle gefreut. Und heute habe ich immer noch mit denselben Menschen zu tun. Das freut mich!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Hast du die Ortswechsel immer mit deiner Frau besprochen und abgestimmt? Und angenommen, du w&uuml;rdest noch mal einen solchen Ortswechsel vollziehen wollen, besprichst du das jetzt auch mit deinen Kindern?</em></strong></p>
<p>MD: Meine Kinder sind einfach noch zu klein, um ihre Meinung zu diesem Thema sagen zu k&ouml;nnen. Aber klar, mit meiner Frau spreche ich nat&uuml;rlich dar&uuml;ber. Ich beziehe sie in solche Entscheidungen ein, und wenn sie ein Problem h&auml;tte, w&uuml;rden wir das solange diskutieren, bis wir zu einer gemeinsamen Entscheidung k&auml;men. Mittlerweile w&uuml;rde ich sowieso nichts mehr &uuml;bers Knie brechen wollen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ist das denn vorgekommen? Musstest du f&uuml;r deine Ziele bewust Dinge erzwingen bzw. andere Dinge aufgeben?</em></strong></p>
<p>MD: Ich habe definitiv Opfer gebracht. Es gab schon Zeiten, in denen ich gezweifelt habe, ob sich das alles lohnt. Selbst f&uuml;r das viele Geld &ndash; lohnt es sich wirklich, Freundschaften &uuml;ber Jahre ruhen zu lassen oder macht etwas anderes nicht viel mehr Sinn? Doch bei jedem erneuten Nachdenken war das Fazit schlie&szlig;lich das gleiche: Du hast das Richtige getan! Die Freunde waren immer da oder haben auf mich gewartet. Von daher haben sich die Zweifel immer recht schnell erledigt.</p>
<p>Davon abgesehen denke ich, dass es kaum einen Fu&szlig;baller gibt, gerade in unseren Gefilden der zweiten oder auch teilweise der ersten Liga, der nicht nach der Karriere noch irgendwas tun muss, um Geld zu verdienen. Die werden sich sicherlich alle zwischendurch mal die Frage gestellt haben, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen haben. Letztendlich kann man aber durchaus zufrieden sein, wenn man in der 1. oder 2. Bundesliga Profifu&szlig;ball gespielt hat. Insofern bekommt man ja auch etwas f&uuml;r die Opfer, die man dann aber auch gerne bringt.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du w&uuml;rdest deinen Kindern also auch einen &auml;hnlichen Weg wie deinen empfehlen, wenn sie die M&ouml;glichkeit h&auml;tten?</em></strong></p>
<p>MD: Wenn ich an heute Morgen denke, als ich mit ihnen noch gekuschelt habe, dann h&auml;tte ich schon Probleme damit, wenn beispielsweise mein Sohn schon mit 10 Jahren in ein Internat gehen wollte, wie es ja heute &uuml;blich w&auml;re. Das muss ich nicht haben, ihn dann nur alle drei, vier Wochen zu sehen. Ich hoffe, dass auch die Alemannia irgendwann mal dahin kommt, dass Jugendspieler auch bei ihr weiter ausgebildet werden k&ouml;nnen. Das w&auml;re mein Traum! Wenn dann mein Kleiner da auch eine Rolle spielen w&uuml;rde, dann habe ich damit gar kein Problem. (lacht) Ich h&auml;tte aber auch kein Problem damit, wenn er sich in der Schule ins Zeug hauen und einen g&auml;nzlich anderen Weg einschlagen w&uuml;rde. Das wichtigste ist doch, dass er da gl&uuml;cklich ist. Das bleibt absolut ihm &uuml;berlassen; ich stehe ihm nat&uuml;rlich zur Seite und gebe Hilfestellung. Aber entscheiden m&ouml;chten sie eh irgendwann alleine.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du magst den Umgang mit Kindern sehr. Und immer schon, wie ich erfahren habe. Du hast beispielsweise das Schulpraktikum in einem Kindergarten absolviert. Woher kommt das?</em></strong></p>
<p>MD: Oh, ich wei&szlig; nicht. Ich habe immer gerne mit Kindern gespielt, auch noch in einem Alter, in dem die Kumpels schon im Park sa&szlig;en und sich Bier reingehauen haben. Also so mit 16, 17. W&auml;hrenddessen habe ich mit meiner damaligen Freundin auf mein jetziges Patenkind aufgepasst. Klar hatte ich auch mal keine Lust darauf und habe etwas anderes gemacht, aber &uuml;ber die Jahre bin ich immer dabei geblieben. Und das Schulpraktikum in einem Kindergarten zu machen, ist eine Lebenserfahrung, das kann ich nur jedem raten! Da passieren Sachen, die man selber als Heranwachsender gar nicht mitbekommt. Kinder k&ouml;nnen grausam sein, so sagt man, in punkto offene Meinungs&auml;u&szlig;erung zum Beispiel. Genauso war das im Kindergarten, da wurde sich dann etwa &uuml;ber Omas wegen ihres Alters lustig gemacht. Mir hat das damals gezeigt, dass man Kinder gro&szlig;ziehen muss, dass sie Hilfe brauchen. Ohne irgendeine Erziehung kann kein Kind ordentlich ins Leben starten. Die zehn Tage damals haben mir echt viel gegeben. Eigentlich waren es drei Wochen, aber ich bin damals mit Bayer Leverkusen ins Trainingslager in die USA geflogen. Denn wo wir gerade von Verzichten gesprochen haben: klar war das super, mit Bayer in die USA zu fliegen, ich h&auml;tte aber das Praktikum auch sehr gerne zu Ende gemacht. Ganz ehrlich.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Bist du ein religi&ouml;ser Mensch?</em></strong></p>
<p>MD: Hm&#8230; ja. Ich gehe nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber ich glaube an etwas, von mir aus an einen Gott, der &uuml;ber unser Schicksal wacht oder &uuml;ber uns richtet. Das verbinde ich aber nicht automatisch mit der Institution Kirche, denn da sind schon ein paar Dinge, die mich st&ouml;ren. Gerade aktuell die Missbrauchsf&auml;lle. Damit kann ich nichts anfangen, wo es doch immer in der Kirche hei&szlig;t, unser wertvollstes Gut seien die Kinder und die Liebe. Dass dann den Kindern statt Liebe Schl&auml;ge verabreicht werden, passt nicht zusammen. Damit habe ich ein Problem. Aber gl&auml;ubig bin ich in jedem Fall.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Hat das in deinem Werdegang eine Rolle gespielt?</em></strong></p>
<p>MD: Ja. In den Zeiten, in denen ich etwa wegen der Verletzungen nicht mehr konnte und mir die Sinnfrage gestellt habe, habe ich den Glauben schon so ein wenig vertieft, was mir dann auch geholfen hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: In solchen Tiefs hast du den Glauben nie verloren?</em></strong></p>
<p>MD: Nein. Wann verliert man den Glauben? Hmm, wenn Menschen ihre eigenen Kinder beerdigen m&uuml;ssen&#8230; da verstehe ich schon, dass es schwer ist, zu glauben. Letztendlich setzt aber der Glaube doch genau da wieder an: mit der Beerdigung etwa oder mit Gebeten. Nein, ich war bisher nie in der Situation, dass ich gesagt habe, da ist nichts mehr, weil ich schlecht dastehe. Ich habe mir immer gesagt, dass so ein Tief dazugeh&ouml;rt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Die Frage ist in Bezug auf Fu&szlig;baller nat&uuml;rlich deshalb interessant, weil diese sich oft auf dem Platz bekreuzigen: bei Toren oder bevor sie den Rasen betreten. Haltung oder Mode?</em></strong></p>
<p>MD: Puh. Also ich habe schon viele Situationen erlebt, in denen ich dachte, warum macht der das jetzt? Warum muss man nach einem Tor die Finger gen Himmel richten? Warum betet man nicht in der Kabine sondern macht das drau&szlig;en, wo es jeder sieht? Weil das gut aussieht? Es ist schwer, ich kenne die Person nicht immer und wei&szlig; auch nicht, ob sie es ernst meint oder ob sie denkt, das sieht im Fernsehen gut aus. Letztendlich muss das jeder mit sich selbst kl&auml;ren. Ich f&uuml;r meinen Teil werde mich nie aus Showgr&uuml;nden bekreuzigen. Das finde ich l&auml;cherlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: &Auml;rgert dich das? F&uuml;hlst du dich in deinem Glauben verletzt?</em></strong></p>
<p>MD: Ach nein. Jeder muss das selbst entscheiden und damit klarkommen. Damit habe ich nichts zu tun. Den Glauben als Show zu pr&auml;sentieren, ist nicht so mein Fall.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du hast eben schon mal kurz Zukunftsgedanken anklingen lassen. Nun musstest du dich ja leider mit teilweise schweren Verletzungen herumplagen. Gibt es denn vielleicht auch dadurch schon konkrete Vorstellungen, was deine Zukunft angeht? </em></strong></p>
<p>MD: Hmm. Also so konkret, dass da irgendwas kurz vor dem Abschluss st&uuml;nde, ist noch nichts. Es gibt diverse Angebote. Gerade wenn man Fu&szlig;baller ist oder dann ja war, verf&uuml;gt man &uuml;ber ein gro&szlig;es Netzwerk. Man trifft ja viele Leute und im Erfolgsfall auch wichtige Leute, die sich dann gerne mit dir pr&auml;sentiert haben. Bleibt der Erfolg aus, entfernen sich 80% dieser Leute wieder. Wie dem auch sei, eine Idee ist, ins Spielermanagement zu gehen, eine andere, bei Alemannia Aachen zu bleiben. Ich mache derzeit ein Praktikum dort, und letzten Endes muss der Verein entscheiden, ob er mich braucht. Ich denke, jeder Verein kann froh sein, wenn er Leute aus den eigenen Reihen und sogar aus der Region hat, die Herzblut f&uuml;r den Verein haben. Ich arbeite sehr gerne f&uuml;r die Alemannia und ohne etwas daf&uuml;r zu bekommen, das bin ich dem Verein auch schuldig: Er hat mir viel gegeben und schlie&szlig;lich auch den Einstieg geschenkt. Aber ich komme jetzt nicht auf Knien angerutscht und flehe darum, hier unbedingt arbeiten zu d&uuml;rfen. Am liebsten m&ouml;chte ich jetzt erstmal noch ein paar Jahre Fu&szlig;ball spielen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Aber du m&ouml;chtest schon im Bereich Fu&szlig;ball bleiben?</em></strong></p>
<p>MD: Ja, das w&auml;re der Idealfall. Das ist einfach mein Leben. Ohne k&ouml;nnte ich nicht, glaube ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und andere Dinge zum Wohlf&uuml;hlen?</em></strong></p>
<p>MD: Meine Familie, meine Freunde und (&uuml;berlegt kurz), wenn&rsquo;s geht, sch&ouml;nes Wetter. Das ist alles, was ich brauche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Also materielle Dinge sind zweitrangig?</em></strong></p>
<p>MD: Ich m&uuml;sste l&uuml;gen, wenn ich sage, ich k&ouml;nnte ohne mein Handy leben. Das f&auml;llt mir mittlerweile schon schwer&#8230; Das ist aber heutzutage so und hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass man vielleicht materialistisch eingestellt ist. Vor 80 Jahren haben die Leute auch ohne Fernseher gelebt. Nimmt man heute den Fernseher weg, ist es bei 95% der Menschheit vorbei&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wenn man finanziell gut gestellt ist, sieht man das vielleicht noch mal ganz anders&#8230;?</em></strong></p>
<p>MD: Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich gutes Geld verdiene. Im Gegenteil, ich sage, ich kann gut davon Leben. Es gibt Spieler, die verdienen nat&uuml;rlich noch mehr, haben dann aber auch wieder einen ganz anderen Lebensstandart. Ich denke, ich habe mir etwas Gutes aufgebaut, habe bestimmt auch viel Geld ausgegeben, auf der anderen Seite aber auch viel gespart. Dahinter steckt tats&auml;chlich ein Plan, denn ich habe alles so angelegt, dass ich etappenweise etwas aus meinem Ersparten bekomme. Wenn ich also das Leben, wie ich es jetzt lebe, weiterf&uuml;hren kann, bin ich zufrieden. Ich spreche hier nicht von &bdquo;Luxus pur&ldquo; sondern von einem ganz normalen Leben, in dem wir uns ab und zu etwas Luxus g&ouml;nnen. Ich fahre nicht viermal im Jahr in den Urlaub, ich brauche nicht jedes halbe Jahr ein neues Auto. Ich bin zufrieden, so wie es ist!</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie wichtig ist denn Geld, wenn wir schon mal dabei sind?</em></strong></p>
<p>MD: Wichtig ist es in der Hinsicht, dass man, wie ich als Familienvater, den Kindern etwas bieten kann. Dass sie ohne Existenz&auml;ngste erzogen und ausgebildet werden k&ouml;nnen. Und zu einer sch&ouml;nen Kindheit geh&ouml;rt auch, dass man zu Weihnachten etwas schenken kann. Es gibt ja viele Familien, die Probleme haben, etwas unter den Weihnachtsbaum zu legen. Ich finde schade, dass es in unserer Gesellschaft soweit kommen kann, denn das ist ja nicht immer nur ein famili&auml;res Problem sondern oft auch ein gesellschaftliches. Oder ein anderes Beispiel: Wie soll eine Frau Liebe an ihre Kinder weitergeben, die sie selbst von ihren Eltern nie erfahren hat? Geld ist also nicht alles. Aber es ist gut, wenn man sich ein paar Sachen leisten kann. Viele Fu&szlig;baller k&ouml;nnten aber auch mit weniger Geld normal leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Na ja, &quot;normal leben&quot; ist ja heutzutage f&uuml;r einen Profifu&szlig;baller eher relativ. F&uuml;r viele Au&szlig;enstehende ist er ja Million&auml;r und im Gro&szlig;en und Ganzen Allgemeingut. &Uuml;bt das &quot;gute Geld&quot; nicht auch Druck aus? </em></strong></p>
<p>MD: Tja, wenn ich einen normalen Zweitligaspieler nehme, der mit 20 zum ersten Mal gutes Geld verdient und bis 34 spielt, also insgesamt 14 Jahre aktiv ist und ihn mit einem normalen Arbeitnehmer vergleiche, der lange studiert hat und mit 28 in den Beruf einsteigt, um bis 65 zu arbeiten, dann sieht man den himmelweiten Unterschied zwischen den 14 und den 30, 40 Jahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: &#8230;wobei ja f&uuml;r den Spieler das Ganze bereits nach diesen 14 Jahren vorbei ist&#8230;</em></strong></p>
<p>MD: &#8230;eben, sag ich ja. In diesem kleinen Zeitraum muss der Spieler eben versuchen, durch gute Leistungen und Geh&auml;lter etwas anzusparen, um sich danach entweder neu zu positionieren, ohne einen gewissen Druck, oder um davon leben zu k&ouml;nnen. Das ist auch das Problem von vielen Leuten, die gerne etwas mit dem Fu&szlig;ball zu tun h&auml;tten, jedoch letztlich keine Ahnung haben: Wenn ich lese, dass in der 2. Liga im Stadion &bdquo;Ihr Schei&szlig;-Million&auml;re&ldquo; gerufen wird, ist das f&uuml;r mich unverst&auml;ndlich. Die Zeiten sind l&auml;ngst vorbei, in denen so viel Geld bezahlt wurde, dass man davon den Rest seines Lebens leben konnte. Teilweise werden n&auml;mlich Geh&auml;lter gezahlt, wie in der normalen Marktwirtschaft. Es gibt Zweitligaspieler mit einem Gehalt, das andere im Controlling bei RWE verdienen.</p>
<p>Da muss einfach ein Umdenken stattfinden. Die Jungs haben einen Job, den sie so gut wie m&ouml;glich zu erf&uuml;llen versuchen. In Deutschland scheinen Neid und Frust eine gro&szlig;e Rolle zu spielen. Alle jammern auf hohem Niveau, wie schlecht es ihnen und wie gut es den Fu&szlig;ballern geht. Ich bringe da immer gerne folgendes Beispiel: Wenn mich jemand anspricht, der im B&uuml;ro arbeitet, in einer Position mit Verantwortung und mir sagt, ich sei &uuml;berbezahlt, spiele schei&szlig;e, k&ouml;nne nichts und verdiene zuviel Geld, dann sage ich ihm, du arbeitest von Montag bis Freitag, gehst nach Hause und wenn du einen Fehler gemacht hast, gibt es mal einen R&uuml;ffel. Ich habe nur diese 14 Jahre Zeit, bin am Wochenende immer weg und kann nach Fehlern, die ich gemacht habe, nicht mehr in Ruhe &uuml;ber die Strasse gehen, ohne beschimpft zu werden und werde noch in der Presse zerrissen. Deshalb verdient der Fu&szlig;baller gut und erkauft sich quasi den Gegenwert zu der Tatsache, dass die &Ouml;ffentlichkeit &uuml;ber ihn richtet, wie sie will. Daher ist das Gehalt in meinen Augen in den meisten F&auml;llen gerechtfertigt.</p>
<p>Klar, acht Millionen Euro im Jahr sind niemals zu rechtfertigen, aber diese Summen kommen ja auch nicht mal so zustande, sondern weil der Fu&szlig;ball ein Massenspektakel ist. Wie gesagt, Frust und Neid in Deutschland. Ich finde, jeder wird geboren, genie&szlig;t eine Erziehung und Ausbildung und kann damit machen, was er will. Hat er das Talent zum Fu&szlig;ballspielen, bitte, soll er. Hat einer Talent im Bereich IT, soll er sich da bet&auml;tigen. Und wenn er sich anstrengt, gibt es auch dort die M&ouml;glichkeit eines guten Gehalts. Wenn er aber lieber mehr Freizeit haben m&ouml;chte, hat er wahrscheinlich ein kleineres Gehalt, kann aber z.B. mit den Kumpels zum Kegeln fahren &ndash; ist doch vollkommen in Ordnung! Aber dem werfe ich ja dann auch nicht vor, er habe zu wenig getan.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ging die Kritik auch schon mal unter die G&uuml;rtellinie? </em></strong></p>
<p>MD: Man hat ein Leben als Fu&szlig;baller und man hat ein Privatleben. Ein Mark van Bommel ist wahrscheinlich der am meisten gehasste Spieler der Bundesliga, weil er so aggressiv auf dem Platz ist. Das macht ihn f&uuml;r viele Leute anscheinend auch privat zu einem aggressiven Menschen. Es wird immer so getan, als w&uuml;rde er nach dem Spiel, in dem er vielleicht zwei Leute &uuml;ber die Klinge hat springen lassen, duschen gehen und nach Hause fahren und unterwegs auch nochmal drei Leute verpr&uuml;geln. Aber so ist es einfach nicht. Viele k&ouml;nnen das nicht trennen, und wenn man teilweise so Sachen &uuml;ber sich liest, was manche Leute da an Urteilen von sich geben, obwohl sie einen gar nicht kennen, dann kommt schon so ein bisschen Frust hoch.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Liest du das denn? Also bekommst du das mit?</em></strong></p>
<p>MD: Ich lese wenig Zeitung und bin selten in Foren unterwegs, aber man bekommt schon hier und da mal was mit. Ich finde es traurig, aber es ist halt so, ich kann damit umgehen, werde das aber auch immer anprangern und sagen, dass das der falsche Weg ist. In der Form gibt es das in anderen L&auml;ndern nicht. In England wirst du keinen finden, der dich beschimpft, weil du vielleicht eine Chance vergeben hast, da wird aufmunternd geklatscht und dann geht&rsquo;s weiter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Der &bdquo;Fall&ldquo; Paolo Guerrero hat in der letzten Saison Aufsehen erregt, als er einem Fan, der ihn zuvor aufs &Uuml;belste beschimpft hatte, eine Plastikflasche an den Kopf warf. Nachvollziehbar, dass einem Profi irgendwann mal der Kragen platzt und ein schimpfender Fan mal was zur&uuml;ckbekommt? Oder das Frank Rost sich hinstellt und sagt, da m&uuml;sse man als maulender Fan auch mal damit rechnen, dass das nicht immer nur so hingenommen wird?</em></strong></p>
<p>MD: Nat&uuml;rlich ist es bl&ouml;d, jemandem eine Flasche ins Gesicht zu schmei&szlig;en. Das war ein Fehler von Paolo. Aber als Peruaner in der Bundesliga bist du weit weg von der Familie, du bist fremd in der Stadt und im Land und hast dir m&uuml;hsam etwas aufgebaut und dann steht da einer und schreit: &bdquo;Verpiss dich zur&uuml;ck nach Peru!&ldquo;&#8230; da kann man schon mal ausflippen. Jetzt hat er auch noch das Pech, dass er aus f&uuml;nfzehn Metern genau den Kopf trifft&#8230; Nein, ich will das nicht guthei&szlig;en, aber so ein Hauch von Verst&auml;ndnis ist schon da: Es ist teilweise unter aller Sau, was man da zu h&ouml;ren bekommt.</p>
<p>Jeder Spieler ist doch bereit, Kritik einzustecken. Gerade Fu&szlig;baller sind doch so offen f&uuml;r Kritik, fahren zu Fanclubs und lassen sich dort teilweise beschimpfen und entschuldigen sich auch noch. Das w&uuml;rde ein normaler Arbeitnehmer gar nicht machen. Alles muss man sich nicht gefallen lassen, auch nicht als Fu&szlig;baller.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Jetzt der krasse Gegensatz &ndash; was bringt dich zum Lachen?</em></strong></p>
<p>MD: Spontane Komik, lustige Spr&uuml;che. Meine Kinder nat&uuml;rlich. (&uuml;berlegt) Kinder im Allgemeinen, die in ihrer kindlichen Sprache weise Spr&uuml;che und Lebensweisheiten kundtun. Und &uuml;ber den ein oder anderen Film oder eine Sendung kann ich auch lachen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und &uuml;ber dich selbst?</em></strong></p>
<p>MD: Ja, denke schon. Ich glaube, ich bin humorvoll, auch wenn es auf meine Kosten geht. Neulich habe ich eine F-Jugend Mannschaft trainiert, 7-j&auml;hrige&#8230; (z&ouml;gert kurz) also ich bin wirklich kein Topmodel, aber wenn da so ein kleiner Junge zu mir kommt und sagt, ey, du siehst ja aus wie Franck Ribery, dann konnte ich zwar kurz dr&uuml;ber lachen, habe aber im n&auml;chsten Moment gedacht, du kleiner Sack, na warte&#8230;! Also eine komplette Gesichtsbaustelle bin ich ja nun auch nicht! Wahrscheinlich hat er nur den Hinterkopf gemeint&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du trainierst ab und zu Jugendmannschaften und bist auch sonst mit viel sozialem Engagement unterwegs, richtig? F&uuml;hlt man sich als Profisportler dazu verpflichtet?</em></strong></p>
<p>MD: Nein, ich sp&uuml;re da keinen Druck. F&uuml;r mich muss auch kein Milliard&auml;r sozial engagiert sein. Es sei denn, er macht es aus &Uuml;berzeugung. Ich bewundere da einen Dietmar Hopp (SAP-Gr&uuml;nder und M&auml;zen der TSG Hoffenheim, <em>Anm. d. Red.</em>), der ist Milliard&auml;r und sozial engagiert. Aber der braucht keinen Bericht und kein Foto in der Presse, der engagiert sich auch so. Im Kleinen mache ich das genauso. Ich verf&uuml;ge leider nicht &uuml;ber die Ressourcen eines Dietmar Hopp, aber ich habe mein Patenkind in Bangladesh, das ich seit Jahren unterst&uuml;tze, ich engagiere mich im F&ouml;rderverein der Mobilen Jugendarbeit in Eschweiler, weil ich selber von der Strasse komme und ich es gut finde, dass da ein alter Kollege von mir der Chef der Mobilen Jugendarbeit ist. Der macht da richtig tolle Sachen und bewegt auch was. Morgen gehe ich da beispielsweise hin, weil ich da an einem sehr interessanten und wichtigen Projekt gegen Rechts teilnehme. Ich engagiere mich also gerne f&uuml;r Dinge aus meiner Region und die mit Kindern oder Jugendlichen zu tun haben. Das muss nicht immer mit Geld zusammenh&auml;ngen, aber wenn ich davon &uuml;berzeugt bin, gebe ich auch gerne etwas.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Kannst du da deine Vorbildfunktion nutzen, gerade bei solchen Jugendprojekten? Wird das angenommen? </em></strong></p>
<p>MD: Selten. In Einzelf&auml;llen ja.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und trotzdem gehst du zu solchen Projekten&#8230;</em></strong></p>
<p>MD: &#8230;ja, ich glaube, dass man jemanden wachr&uuml;tteln kann, aber letztendlich muss der Impuls von den Kindern und Jugendlichen selbst kommen. Ich kann niemanden in einer Stunde von einer ganz anderen Weltanschauung &uuml;berzeugen, ich kann nur darauf hinweisen und mit gutem Beispiel vorangehen. Heutzutage scheint es ja fast modern zu sein, rechte Anschauungen zu haben. Das gab es zu unserer Zeit nicht! Wir haben immer kunterbunt zusammen gehangen. Klar gab es mal Stress mit einem Ausl&auml;nder, aber genauso mit einem Deutschen. Dann hat man den Streit entweder beigelegt oder sich eben ignoriert. Heute geht das sofort ins Politische. Da kommen 16-j&auml;hrige und sagen, sie seien rechtsradikal. Das gab es fr&uuml;her nicht. Aber heute fangen die Parteien eben immer fr&uuml;her an mit der Rekrutierung. An Schulen, mit Flyern und CDs. Dann gehen sie in sozial schwache Bezirke und erz&auml;hlen &bdquo;denen da unten&ldquo; wer &bdquo;schuld&ldquo; ist. Wie gesagt, ich werde in der kurzen Zeit leider niemanden bekehren k&ouml;nnen sondern kann nur versuchen, Alternativen aufzuzeigen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch, Markus Daun!</em></strong></p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Markus+Daun+%E2%80%93+Das+Interview+http://qsz98.th8.us" title="Post to Twitter"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://delicious.com/post?url=http://playerstalk.de/2010/08/01/markus-daun-das-interview/&amp;title=Markus+Daun+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Delicious"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-delicious.png" alt="Post to Delicious" /></a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://playerstalk.de/2010/08/01/markus-daun-das-interview/&amp;t=Markus+Daun+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://playerstalk.de/2010/08/01/markus-daun-das-interview/&amp;t=Markus+Daun+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Thomas Stehle &#8211; Das Interview</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 10:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Maassen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Stehle]]></category>

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		<description><![CDATA[&#34;&#8230;bin z.B. in einer Woche zweimal vom Platz geflogen. Da beziehst du Pr&#252;gel von Presse und Mitspielern&#34;

&#8222;Was ich ganz vergessen habe zu fragen&#8230;&#8220; Auf dem M&#228;nnerklo. Nach dem Interview, nicht w&#228;hrenddessen wohlgemerkt. &#8222;Frag ruhig&#8220;, sagt ein Thomas Stehle, der zuvor schon mehr als eine Stunde lang ein geduldiger und durchaus redseliger Gespr&#228;chspartner war (und ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>&quot;&#8230;bin z.B. in einer Woche zweimal vom Platz geflogen. Da beziehst du Pr&uuml;gel von Presse und Mitspielern&quot;</h3>
<p><img alt="" class="alignnone size-full wp-image-232" height="125" src="http://playerstalk.de/files/2010/05/sw.jpg" title="sw" width="510" /></p>
<p>&bdquo;Was ich ganz vergessen habe zu fragen&#8230;&ldquo; Auf dem M&auml;nnerklo. <em>Nach</em> dem Interview, nicht w&auml;hrenddessen wohlgemerkt. &bdquo;Frag ruhig&ldquo;, sagt ein Thomas Stehle, der zuvor schon mehr als eine Stunde lang ein geduldiger und durchaus redseliger Gespr&auml;chspartner war (und ein sehr angenehmer dazu), der sich aber jetzt erstmal die H&auml;nde w&auml;scht. &bdquo;Eigentlich wollte ich noch wissen, was die Leute von einem erwarten oder denken, wenn man irgendwo neu hinkommt und den Spitznamen &lsquo;die Axt&lsquo; mitbringt.&ldquo; &bdquo;Mich hat jedenfalls noch niemand f&uuml;r einen Massenm&ouml;rder gehalten!&ldquo;</p>
<p>Thomas Stehle, 29 und Fu&szlig;ballprofi, liebt es auf den Punkt und ohne Umschweife. Au&szlig;erdem Ordnung, gute Pl&auml;ne und trotzdem in den Tag hinein leben, wie wir glauben, herausgefunden zu haben. Geregelte Ordnung und Spa&szlig; &ndash; das funktioniert? Wir trafen einen Sportler, der nicht gerne gro&szlig; Aufhebens macht und Zufriedenheit in den kleinen Dingen findet &ndash; und beim Golfen. Thomas Stehle ist dennoch so wenig ein Klischee wie die Axt ein Massenm&ouml;rder.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span id="more-209"></span></p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>playersTALK: Herzlich Willkommen, Thomas Stehle!</em></strong></p>
<p>Thomas Stehle: Danke!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wie du wei&szlig;t, m&ouml;chten wir hier &uuml;ber etwas pers&ouml;nlichere Dinge sprechen als &bdquo;nur&ldquo; &uuml;ber Sport oder den Profisportler Stehle. Wir m&ouml;chten etwas &uuml;ber DICH erfahren&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Leg los.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du bist in &Uuml;berlingen geboren und am Bodensee gro&szlig; geworden, richtig?</em></strong></p>
<p>TS: Ich bin in der Gemeinde Salem aufgewachsen, Ortsteil Neufrach. Dort bin ich auch in den Kindergarten und die Grundschule gegangen. Auf dem Gymnasium war ich dann in &Uuml;berlingen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und du bist zu einem gr&ouml;&szlig;eren Fu&szlig;ballverein gegangen als du 16 warst, dem SC Pfullendorf. War das weit weg?</em></strong></p>
<p>TS: (gestikuliert und malt eine Landkarte in die Luft) Also &Uuml;berlingen liegt direkt am Bodensee, Salem liegt grob acht Kilometer landeinw&auml;rts, sprich: n&ouml;rdlich vom Bodensee aus betrachtet, und von Salem bis Pfullendorf sind es noch mal so ca. 20 bis 25 Kilometer nach oben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das bedeutet, du konntest h&ouml;herklassig spielen und trotzdem zu Hause bleiben?</em></strong></p>
<p>TS: Richtig. Bis ich den F&uuml;hrerschein hatte gab es einen Fahrdienst. Jemand vom Verein ist mit einem Bulli eine kleine Tour gefahren und hat Spieler aus der Gegend, die noch keinen F&uuml;hrerschein hatten, eingesammelt. Als ich dann sp&auml;ter ab der A-Jugend den F&uuml;hrerschein hatte, bin ich mit dem eigenen PKW zum Training gefahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: In der Aufzeichnung eines alten Chats im Internet steht zu lesen, dass du sofort nach Abi und Zivildienst zum FC N&uuml;rnberg gegangen bist.</em></strong></p>
<p>TS: Ich habe mein Abitur 2000 in &Uuml;berlingen fertig gemacht und musste dann ein halbes bis dreiviertel Jahr warten, bis ich den Zivildienst antreten konnte. Den habe ich dann ab Januar 2001 in Pfullendorf in einem Krankenhaus absolviert, wo ich als Haustechniker gearbeitet habe, quasi als zweiter Hausmeister.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe mich da um Dinge gek&uuml;mmert, die auch gut der erste Hausmeister h&auml;tte erledigen k&ouml;nnen (lacht). Zum Beispiel das Leeren der M&uuml;lleimer im Au&szlig;enbereich. Haupts&auml;chlich im Au&szlig;enbereich, wenn ich jetzt so nachdenke&#8230; Die Krankenhausleitung wollte das jeden Tag erledigt haben, aber da ja gerade Winter war, hielt sich so gut wie niemand drau&szlig;en auf. Da h&auml;tte es gut und gerne gereicht, alle zwei Wochen mal zu leeren. Wir haben oft mit den anderen Zivis Karten gespielt&#8230; Ein lockerer Job, den mir &uuml;brigens der SC Pfullendorf besorgt hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Haha, ich erinnere mich gerade an eine Aufgabe, das wei&szlig; ich noch ganz genau, es gab da so einen Technikraum, der neu gestrichen werden musste. Das war so ein kleines R&auml;umchen, w&auml;re also f&uuml;r einen Maler eine Sache von ein paar Stunden gewesen. Ich habe es geschafft, die Aktion auf drei Wochen auszudehnen (lacht). Ich habe mich also da nicht &uuml;berarbeitet. Nat&uuml;rlich habe ich immer meine Arbeiten erledigt, aber da dieser Ziviposten eigens f&uuml;r mich geschaffen wurde, so kam es mir jedenfalls vor, hatte ich nie Zeitdruck.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dadurch dass der Zivildienst damals, Moment, wie lange dauerte&#8230;? Ein Jahr? 15 Monate? Jedenfalls habe ich meine Profikarriere im Juni 2001 in N&uuml;rnberg begonnen, als der Zivildienst also noch nicht beendet war. Die restlichen Monate habe ich in Schwabach bei der Arbeiterwohlfahrt absolviert. Die waren sehr kulant, schlie&szlig;lich habe ich wegen des Trainings auch mal ein paar Stunden am Tag gefehlt.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Du hast also sogar als Profi anfangs noch zu Hause wohnen k&ouml;nnen&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Das hat mich neulich schonmal jemand gefragt und gesagt, ich sei ja im Prinzip erst sp&auml;t von zu Hause weg. Ich wei&szlig; gar nicht, ob das so sp&auml;t ist. Ich kenne da auch keine Statistiken. Ich war jedenfalls nicht minderj&auml;hrig. 20 oder 21, das kann man wohl unter &bdquo;nicht zu fr&uuml;h&ldquo; laufen lassen, glaube ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: War das gut oder vielleicht auch hilfreich, den gro&szlig;en Schritt in der Heimat machen zu k&ouml;nnen?</em></strong></p>
<p>TS: Heimat bedeutet f&uuml;r mich vor dem Hintergrund, dass ich als Fu&szlig;ballprofi oft mit Verschiebungen des Lebensmittelpunkts rechnen muss, einen Anker zu haben. Zu wissen, dass ich da Familie habe &ndash; Vater, Mutter und Schwester, die auch wiederum ihre eigene Familie hat &ndash; und auch enge Freunde au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls, zu denen ich jederzeit hingehen kann, ist schon beruhigend. Was aber nicht hei&szlig;t, dass ich mir derzeit vorstellen kann, dorthin zur&uuml;ck zu ziehen. Es gibt ja viele, die sagen, nach der Karriere gehe ich wieder dahin, wo ich herkomme. Das ist bei mir momentan (&uuml;berlegt) nicht so akut, als das ich sagen k&ouml;nnte, ich mache das auf jeden Fall. Ich hoffe, ich kann noch ein paar Jahre spielen, und wer wei&szlig;, wie es in zwei, drei oder f&uuml;nf Jahren aussieht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich nutze die paar M&ouml;glichkeiten im Jahr, um an den Bodensee zu fahren, etwa in der Sommer- oder Winterpause. Auch, wenn das manchmal nur kurz ist. Das funktioniert gut, ich melde mich bei Freunden vorher an &ndash; mit der Familie stehe ich sowieso in engem Kontakt &ndash; und sage, ich sei dann und dann f&uuml;r drei Tage da und wir treffen uns. In der Sommerpause ist etwas mehr Zeit, meist so f&uuml;nf Wochen. Da sieht es so aus, dass ich mit der Freundin zehn bis vierzehn Tage in den Urlaub fahre. Dann ist Golf ja meine Leidenschaft; mit ein paar Kumpels, ehemalige und aktuelle Mitspieler oder Leute aus unserem Umfeld hier in Aachen, machen wir immer so eine kleine Golftour, die etwa eine Woche in Anspruch nimmt. Sind wir also schon bei drei Wochen. Die restliche Zeit verbringen wir am Bodensee. Ich bei meiner Familie, meine Freundin, die auch von dort stammt, bei ihrer. Dazu kommen dann noch Freunde von mir, die noch am oder in der N&auml;he des Bodensees leben. Das sind meine &ndash; (z&auml;hlt an den Fingern ab) ich will keinen vergessen &ndash; vier besten Freunde, die ich au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls habe. Einer davon arbeitet in Z&uuml;rich, ein anderer in Stuttgart. Das liegt alles noch in einer angenehmen Reichweite. Letztes Jahr haben wir den Freund in Z&uuml;rich besucht, wohin dann auch der aus Stuttgart kam. Ich freue mich dann immer dar&uuml;ber, alles unter einen Hut bekommen zu haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Glaubst du, du bist st&auml;rker verwurzelt und hast diesen engen Kontakt, weil du lange in deinem heimatlichen Umfeld geblieben bist?</em></strong></p>
<p>TS: Das ist schwer zu sagen. Es ist nicht so, dass wir alle t&auml;glich telefonieren. Wir sind einfach richtig gute Freunde. So wie sie wahrscheinlich jeder irgendwo hat. Das sind Kindergartenfreunde oder ehemalige Mitspieler, die ich noch aus der F-Jugend von Rot-Wei&szlig; Salem kenne. Bis ich Profi geworden bin, habe ich mit denen zusammen gespielt. Oder bin mit ihnen zur Schule gegangen. Das ist einfach nie abgerissen, was mir und meinen Freunden sehr wichtig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Deine Freunde haben ja deine Entwicklung auch mitbekommen. Profi, zun&auml;chst noch in N&uuml;rnberg, also in der N&auml;he, dann in Aachen&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Klar, die kennen meine Situation und mich aus meinem &bdquo;fr&uuml;heren Leben&ldquo;. Auch als Profi war ich immer noch da, denn wenn mal ein oder zwei Tage frei waren, bin ich die 300 Kilometer von N&uuml;rnberg bis nach Hause gefahren. Das war ja nicht die Welt. Jetzt, von Aachen aus, w&auml;re das allerdings zu viel Stress.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was mir besonders gut an dieser Konstellation gef&auml;llt, ist die Tatsache, dass ich dort nicht der Fu&szlig;ballprofi bin. Da bin ich der ganz normale. Da wird &uuml;ber Sachen geredet oder gelacht, die mit dem Fu&szlig;ball rein gar nichts zu tun haben. Nat&uuml;rlich kommt man auch immer mal &uuml;ber den Sport ins Gespr&auml;ch, aber prinzipiell interessiert der Fu&szlig;ball eher weniger, was mir auch wichtig ist&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: &#8230;und wahrscheinlich auch mal ganz angenehm?</em></strong></p>
<p>TS: Na klar! Ich bin niemand, der aufgrund des Fu&szlig;ballerdaseins im Mittelpunkt stehen muss. Mir ist es im Gegenteil z.B. sogar recht, wenn ich auch unmittelbar nach dem Spiel nicht dar&uuml;ber reden muss. Das l&auml;sst sich nat&uuml;rlich nicht vermeiden, schon gar nicht, wenn man nach Abpfiff etwa durch den Businessbereich des Stadions geht. Aber wenn im Verlauf eines Gespr&auml;chs dann das Thema weg vom Fu&szlig;ball und hin zu ganz anderen Dingen gelenkt wird, kommt mir das sehr entgegen. Deswegen bin ich auch froh, dass das zu Hause meist au&szlig;en vor ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Deine Freundin kennst du auch aus deiner Zeit vor dem Profidasein, oder?</em></strong></p>
<p>TS: Richtig. Wir haben uns Ende 2000 kennengelernt. Als ich die drei Jahre in N&uuml;rnberg gespielt habe, haben wir eine Fernbeziehung gef&uuml;hrt. Meine Freundin hat weiterhin am Bodensee gearbeitet und ist am Wochenende immer mit dem Zug hin und her gependelt. War schwierig, hat aber funktioniert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir haben es ja eben kurz angesprochen: Als Fu&szlig;baller kann es sein, dass du st&auml;ndig auf gepackten Koffern hockst. In das Klischee passe ich gar nicht so sehr, in neun Profijahren war ich bei zwei Vereinen. Das konnten wir aber damals gar nicht wissen. Und trotzdem ist meine Freundin praktisch sofort nach Aachen mitgezogen, hat ihren Job und noch einige Dinge mehr aufgegeben. Eine Fernbeziehung w&auml;re sicher problematisch gewesen, auch wenn wir das auf uns genommen h&auml;tten. Wichtig war dann, dass sie hier eine neue Stelle gefunden hat. Wir waren froh, dass das relativ schnell geklappt hat. Hier in Aachen wohnen wir auch zum ersten Mal zusammen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Solche Dinge festigen ja auch eine Beziehung &ndash; deine Freundin kannte dich vor der Karriere und begleitet dich durch diese, ihr habt eine dreij&auml;hrige r&auml;umliche Trennung &uuml;berstanden&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: So schwer das auch manchmal war, im Nachhinein w&uuml;rde ich das best&auml;tigen. Die ganze Entwicklung hat unsere Beziehung gefestigt; ich m&ouml;chte sogar behaupten, dass es ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung unserer Beziehung war. Wenn wir bereits in N&uuml;rnberg zusammen gelebt h&auml;tten und ich dann in Aachen unterschrieben h&auml;tte&#8230;</p>
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<p><strong><em>PT: &#8230;w&auml;re sie doch auch mitgegangen, oder?</em></strong></p>
<p>TS: Es ist ja gang und g&auml;be, dass die Familie eines Fu&szlig;ballers hinterher zieht. Von einem ehemaligen Mitspieler wei&szlig; ich, dass er es anders gemacht hat: Frau und Kinder bleiben an einem festen Ort, wo sie auch zur Schule gehen, und er pendelt. Doch das ist wohl eher die Ausnahme.</p>
<p>Unsere Situation sieht aber jetzt so aus: Wir sind sechs Jahre hier, da ergeben sich ja auch Freundschaften au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls. Wir k&ouml;nnen uns durchaus vorstellen, hier heimisch zu werden, weil wir uns beide richtig wohl f&uuml;hlen.</p>
<p>Ein Charakterzug von Fu&szlig;ballern scheint es &uuml;brigens zu sein, dass sie ein wenig in den Tag hinein leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das bringt der Beruf ja auch mit sich&#8230;</em></strong></p>
<p>TS:&nbsp;&#8230;trotzdem w&uuml;nschte ich mir manchmal, ich w&uuml;rde weitblickender denken, auch um meiner Freundin Willen.&nbsp;Es gibt Spieler, die w&auml;hrend ihrer Karriere ein Fernstudium beginnen. Au&szlig;er den Gedanken daran tut sich bei mir dahingehend nicht viel. Dabei kann man sich damit ruhig auch schon mit, na ja, 23 befassen.</p>
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<p><strong><em>PT: Aber denkt man im Alter von 23 Jahren wirklich an Dinge wie heimisch werden, ein Haus bauen, Kinder kriegen?</em></strong></p>
<p>TS: Nein, das bringt nat&uuml;rlich erst die Zeit und die Erfahrung mit sich, wenn man merkt, aha, hier ist ein Fleckchen, an dem ich mich wohl f&uuml;hle. Ich f&uuml;r meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich hier sehr wohl f&uuml;hle.</p>
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<p><strong><em>PT: Apropos vorausschauend: Hast du eigentlich schon vor dem Abitur die M&ouml;glichkeit gehabt, Profi zu werden? Also war es dir wichtig, zuerst das Abi fertig zu machen?</em></strong></p>
<p>TS: Ja! Beziehungsweise ist mir das von meinen Eltern nahegelegt worden. Nicht unter Zwang, es war mehr ein Wunsch der beiden. &bdquo;Egal was passiert, du hast deinen Abschluss&ldquo;, hie&szlig; es. Ich h&auml;tte kurz vor dem Abi zu den Stuttgarter Kickers gehen k&ouml;nnen, damals noch 2. Liga. Ich hatte schon einen Vorvertrag unterschrieben&#8230; Das war letztendlich etwas verworren: Die Kickers waren am Ende sportlich abgestiegen und mein Vertrag somit nichtig. Aber Tennis Borussia Berlin hatte die Lizenz nicht erhalten, wodurch mein Vertrag dann doch wieder G&uuml;ltigkeit besa&szlig;. In der Zwischenzeit hatte ich mich aber daf&uuml;r entschieden, dann eben doch das Abi zu machen und bei Pfullendorf zu bleiben. Die Kickers verstanden das und pochten nicht auf den Vorvertrag. So konnte ich in Ruhe meinen Abschluss machen.</p>
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<p><strong><em>PT: Du hast es eben kurz angerissen: Hast du dir Gedanken &uuml;ber das Leben nach der Karriere gemacht? M&ouml;chtest du aufbauend auf deinen Abschluss vielleicht noch studieren? </em></strong></p>
<p>TS: Konkrete Pl&auml;ne habe ich wie gesagt nicht. Nat&uuml;rlich macht man sich hin und wieder Gedanken. Und wie ebenso schon erw&auml;hnt: Manchmal w&uuml;nschte ich mir, ich w&uuml;rde noch mehr dar&uuml;ber nachdenken, gerade in meiner momentanen Situation &ndash; ich war jetzt eineinhalb Jahre verletzt! Ich bin zwar derzeit wieder hergestellt, aber man wei&szlig; ja nie, wie lange das h&auml;lt oder ob nicht auch etwas anderes dazu kommt. Ich denke da wie wahrscheinlich viele Fu&szlig;baller, dass es am einfachsten ist, in dem Metier Fu&szlig;ball zu bleiben. In welcher Funktion auch immer. Ich kann mir nicht vorstellen, Cheftrainer bei einem Profiverein zu sein; eher vielleicht Co-Trainer, also das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer. Noch eher sehe ich mich momentan vielleicht sogar als Reha-Trainer, also Physiotherapeut. Rekonvaleszente wieder an die Mannschaft heranzuf&uuml;hren, das finde ich beeindruckend. Ich hatte ja jetzt schon die ein oder andere Verletzung und somit einiges mitbekommen. Was die mit dem K&ouml;rper anstellen k&ouml;nnen ist unglaublich.</p>
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<p>Viele Freunde sagen mir auch, ich solle mich doch nicht nur auf Fu&szlig;ball beschr&auml;nken&#8230; ich habe zu Hause beispielsweise eine gepflegte Ordnerlandschaft und bem&uuml;he mich immer, alles zeitnah zu erledigen. Das funktioniert nicht immer, manchmal w&auml;chst die Ablage auch, aber es stellen sich tats&auml;chlich Gl&uuml;cksgef&uuml;hle bei mir ein, wenn ich sehe, dass am Ende alles abgeheftet ist und wieder Ordnung herrscht. (&uuml;berlegt) Doch, ich bin schon ein ordnungsliebender Mensch. Auch wenn meine Freundin jetzt sagen w&uuml;rde, das kann nicht sein, wenn sie sieht, wie ich mit meinen Klamotten umgehe. Das ist wieder eine andere Geschichte; daran habe ich nicht die gleiche Freude, wie beim Papierkram Ordnung zu schaffen. Wenn ich den Schrank aufmache und sehe, zackzackzack, da stehen die Ordner, sch&auml;tze ich das viel h&ouml;her ein als im Kleiderschrank. Ich wei&szlig; nicht, wie ich es sagen soll, aber da unterscheide ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wenn also so ein gewisser Enthusiasmus schon vorhanden ist, kannst du dich also voll und ganz daf&uuml;r begeistern&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Richtig. Deshalb m&uuml;sste der berufliche Weg, den ich nach dem Profisport einschlage, eigentlich nicht zwingend im Bereich Fu&szlig;ball liegen sondern k&ouml;nnte tats&auml;chlich auch etwas mit Papierkram zu tun haben. (lacht)</p>
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<p><strong><em>PT: Ich frage deshalb nach Abi und eventuellem Studieren, also nach weiterem Lernen, weil ich geh&ouml;rt habe, dass du sehr wissbegierig bist&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Ja, stimmt. Meine Freundin fragt mich schon dauernd, was ich da immer im Internet herumh&auml;nge. Wenn sie von der Arbeit kommt und mich fragt, wie mein Tag so war, erz&auml;hle ich ihr, ich war Golf spielen oder was auch immer ich eben getan habe. Dann kommt dann nur: &bdquo;Du warst doch bestimmt wieder stundenlang online&#8230;!&ldquo; Es ist tats&auml;chlich so, dass ich, wenn ich einen Artikel lese oder einen Bericht sehe, wie etwa jetzt aktuell &uuml;ber den Vulkanausbruch auf Island, neugierig werde und mich gerne auf die Suche nach bestimmten Dingen mache. So lande ich oft bei Wikipedia. Durch die ganzen Verlinkungen dort lande ich beim Vulkan, dann Island, dann bei der Finanzkrise und ganz am Ende wahrscheinlich bei den australischen Aborigines. Und da mich in jedem Artikel irgendetwas interessiert, lande ich wieder beim n&auml;chsten und so weiter. Damit kann ich Stunden verbringen. Das ist so ein Tick von mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und woher kommt das?</em></strong></p>
<p>TS: Wei&szlig; ich nicht. (&uuml;berlegt) Wenn ich etwas entdecke, &uuml;ber das ich nicht Bescheid wei&szlig;, muss ich dem auf den Zahn f&uuml;hlen, so kommt es mir vor. Ich will die Ursache kennen, will zur Thematik Bescheid wissen, auch wenn sie mich vielleicht nicht in der G&auml;nze interessiert. Es gibt immer Teilaspekte, an denen ich h&auml;ngen bleibe. Ein Drang zum Allgemeinwissen wahrscheinlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Mal ganz provokant gefragt: Glaubst du, dieser Wissensdurst kommt daher, dass du dich schon fr&uuml;h auf das Ziel Profifu&szlig;ball fokussiert hast? Also musstest du Opfer bringen? Hast du das Gef&uuml;hl, etwas verpasst zu haben?</em></strong></p>
<p>TS: Ich beantworte dir alle Fragen mit nein. Zur&uuml;ckblickend w&uuml;rde ich bestimmt ein paar Kleinigkeiten anders machen, aber grob bin ich mit dem, wie mein Leben derzeit verl&auml;uft, zufrieden. Der Job des Profifu&szlig;ballers bringt schon seine Freiheiten mit sich. Man hat keinen acht Stunden Tag sondern ein oder zwei Trainingseinheiten, dazwischen hat man Zeit, abends hat man Zeit. Andererseits ist nat&uuml;rlich normalerweise das Wochenende nicht frei, es sei denn, man hat freitags gespielt und so weiter. Wie man es auch dreht und wendet, ich k&ouml;nnte mir nichts anderes vorstellen, was ich h&auml;tte machen k&ouml;nnen. Ganz einfach. Insofern habe ich nicht viel verpasst. Musste ich Opfer bringen? Da f&auml;llt mir spontan auch nichts ein. Und was den Fokus auf Fu&szlig;ball angeht: W&auml;re ich etwa Informatiker geworden, h&auml;tte ich mich darauf konzentriert und vielleicht andere Dinge ausgeblendet. Das w&auml;re im Grunde nichts anderes gewesen.</p>
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<p><strong><em>PT: Aber muss man sich nicht in dieser Laufbahn auf eine andere Art einschr&auml;nken als jemand, der Informatik studiert?</em></strong></p>
<p>TS: Na klar muss man auf einen gewissen Lebenswandel achten, sei es Ern&auml;hrung oder Nachtleben. Das bringt der Job mit sich. Trotzdem hast du gewisse Freiheiten. Unser Sport ist ergebnisorientiert; bei einem Sieg kannst du dich auch schonmal zu etwas sp&auml;terer Stunde in der Stadt sehen lassen als wenn du eins &uuml;ber die M&uuml;tze bekommen hast. Dann sieht das nat&uuml;rlich anders aus, aber das bringt der Beruf eben mit sich und st&ouml;rt mich nicht wirklich.</p>
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<p><strong><em>PT: Wenn man bedenkt, dass du dein Hobby zum Beruf machen konntest, dann nimmst du das wahrscheinlich auch gerne in Kauf?</em></strong></p>
<p>TS: Ja, klar. Man h&ouml;rt immer wieder von Fu&szlig;ballern, die ihre Karriere beenden, weil sie dem Druck nicht standhalten. Wenn ich das bei mir gemerkt h&auml;tte, h&auml;tte ich diesen Weg gar nicht durchgezogen. Der Spa&szlig;faktor z&auml;hlt ja auch. Und in einem gro&szlig;en Ma&szlig;e.</p>
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<p><strong><em>PT: Ist das so?</em></strong></p>
<p>TS: Ja, selbstverst&auml;ndlich! Ich gehe davon aus, dass dem Gro&szlig;teil der Profifu&szlig;baller der Job Spa&szlig; macht. Selbst wenn ich nicht Profi geworden w&auml;re &ndash; ich kann mir nicht vorstellen, einen Job durchzuziehen, der mir keinen Spa&szlig; bereitet. Jeden Tag nach Hause kommen und meiner Freundin sagen: &bdquo;So eine Schei&szlig;e!&ldquo;? Ich kann mir das nicht vorstellen&#8230; H&auml;tte mir der Beruf Fu&szlig;baller keinen Spa&szlig; gemacht, ich h&auml;tte ihn wahrscheinlich schon im ersten Jahr sein gelassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Was gibt man denn im Gegenzug an Freiheiten ab? Stichwort Privatsph&auml;re&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Da sind wir wieder bei dem Punkt des Drucks, mit dem einige nicht umgehen k&ouml;nnen. Es gibt aber auch positiven Druck. Ich lese gerade das Buch von Sebastian Deisler, der ja eben mit diesem positiven Druck, der ihn so hoch gepusht hat, nicht zurecht kam. Das ist mir zum Gl&uuml;ck nicht passiert. Nat&uuml;rlich ist es einem lieber, man bekommt Schulterklopfer und gute Kritiken in der Presse, als von ihr zerrissen zu werden. Ich habe beide Seiten erlebt und konnte relativ gut damit umgehen, denke ich. Es gab eher wenige schlaflose N&auml;chte, in denen ich mir Gedanken gemacht habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht aber auch, weil meine Zweitligakarriere, wo ich ja nun mal haupts&auml;chlich gespielt habe und spiele, einigerma&szlig;en konstant verlief. Klar, ich hatte auch schlechte Phasen, bin z.B. in einer Woche zweimal vom Platz geflogen. Da beziehst du Pr&uuml;gel von Presse und Mitspielern, aber gehst auch gest&auml;rkt da raus. Zumindest kann ich das von mir behaupten, aber das ist alles eine Charaktersache. Dahingehend lasse ich mich also nicht einschr&auml;nken, um noch mal auf die Frage zur&uuml;ck zu kommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: F&uuml;hlst du dich in deiner W&uuml;rde verletzt, wenn dich jemand auf der Strasse aufgrund eines schlechten Spiels beschimpft?</em></strong></p>
<p>TS: Ist mir einfach noch nicht so extrem passiert. Klar h&ouml;rt man mal hier und da was, das h&ouml;rt man sich an und wundert sich manchmal. Ich musste aber deshalb bisher nie zu Hause das Gespr&auml;ch mit meiner Freundin suchen&#8230; Das geht hier rein und da raus. Es sei denn, es handelt sich um sachliche Kritik.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Druck kann auch entstehen, wenn man st&auml;ndig im Hinterkopf hat, dass die Karriere jederzeit und pl&ouml;tzlich, sp&auml;testens jedoch mit Mitte bis Ende Drei&szlig;ig, vorbei sein kann. Ist das Geld, dass man als Profi verdient, damit gerechtfertigt? Oder z&auml;hlen sportlicher Erfolg und Lob in den Medien mehr?</em></strong></p>
<p>TS: Die Geh&auml;lter von Fu&szlig;ballern sind ja st&auml;ndig in der Diskussion. Gerade von Leuten, die das nicht einsehen. Ich will mich gar nicht dazu &auml;u&szlig;ern, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Nur soviel: Die Spieler eines Zweitligisten sind finanziell nicht mit Bundesligaspielern zu vergleichen, da klafft schon noch ein Unterschied. Die Beschimpfung &bdquo;Schei&szlig; Million&auml;re&ldquo; ist in der 2. Liga mehr als unangebracht. Sicher, es ist trotzdem immer noch vergleichsweise viel Geld. Aber: Wie du schon sagtest, man hat nur einen begrenzten Zeitraum will innerhalb dessen etwas auf die Seite legen. So gehe ich das Thema jedenfalls an. Ich m&ouml;chte mir eine finanzielle Grundvoraussetzung schaffen, die normalerweise jemand mit 35 nicht hat. So. Dass ich dann immer noch arbeiten muss, ist selbstverst&auml;ndlich. Die Arbeit sollte mir Spa&szlig; machen und auch Geld einbringen. Mir ist aber auch klar, dass ich nie mehr das Gehalt eines Profifu&szlig;ballers bekomme.&nbsp;Da sind Ersparnisse von Vorteil.</p>
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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ist Geld wichtig?</em></strong></p>
<p>TS: (lacht) Man h&ouml;rt ja immer wieder, Geld mache nicht gl&uuml;cklich&#8230; Es ist mir schon wichtig. Jetzt h&auml;tte ich fast &bdquo;selbstverst&auml;ndlich&ldquo; gesagt (lacht). Es er&ouml;ffnet mir M&ouml;glichkeiten. Ich habe es ja eben gesagt: Wenn ich mit einer finanziellen R&uuml;cklage das Leben nach meiner Karriere starte, ist mir einfach dabei wohler, als wenn ich darauf angewiesen w&auml;re, in den n&auml;chsten zwei Wochen unbedingt einen Job zu finden. Die F&auml;lle gab es ja auch, dass Spitzensportler nach ihrer Karriere pleite waren. So hat man eben eine gewisse Sicherheit. Ob das jetzt gl&uuml;cklich macht oder nicht, ist wahrscheinlich auch wieder eine Charakterfrage. (&uuml;berlegt) Ich wei&szlig; nicht, ob mich das jetzt so richtig gl&uuml;cklich macht, aber&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: &#8230;es beruhigt.</em></strong></p>
<p>TS: Ganz genau. Definitiv.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Und verpflichtet es auch?</em></strong></p>
<p>TS: Du meinst soziales Engagement? Als jemand, der Thema in der Presse und in der sonstigen &Ouml;ffentlichkeit ist, wird man nat&uuml;rlich oft damit konfrontiert. Ich beteilige mich gerne daran, ohne jetzt zu nennen, was ich da alles mache. DAS ist zum Beispiel so ein gutes Gef&uuml;hl, wenn man wei&szlig;, man kann da etwas Gutes unterst&uuml;tzen, man hat die finanziellen Mittel dazu. Das macht gl&uuml;cklich.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&bdquo;Verpflichtet&ldquo; ist allerdings der falsche Ausdruck. Ich f&uuml;hle mich nicht dazu gezwungen, weder von den ganzen Schreiben, die von den Organisationen reinflattern, noch von Geschehnissen. Ich bin mir nicht sicher, ob es richtig ist, dass immer erst etwas passieren muss, damit man etwas unterst&uuml;tzt. Das Leid ist &uuml;berall gro&szlig;, nicht nur bei Naturkatastrophen. Schwierige Geschichte. Ich kann f&uuml;r mich sagen, dass ich einige Organisationen unterst&uuml;tze, bei denen ich auch ein sehr gutes Gef&uuml;hl habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Bist du ein Vorbild? Gibt es so etwas &uuml;berhaupt noch?</em></strong></p>
<p>TS: Ich denke, dass es bei Kindern und Jugendlichen noch funktioniert, ja. Man merkt es doch Tag f&uuml;r Tag, beim Training oder im Stadion. Da sind 10-j&auml;hrige, f&uuml;r die es das Gr&ouml;&szlig;te ist, ein Autogramm zu bekommen. Wir haben doch auch unsere Idole gehabt, die wir nur aus dem Fernsehen kannten, weil ich vom Land komme und der n&auml;chste Bundesligaverein in Freiburg oder Stuttgart zu finden war. Trotzdem sind wir auf den Bolzplatz gegangen und wollten ihnen nacheifern. Hier in Aachen k&ouml;nnen die Kinder hautnah beim Training dabei sein, warum sollte das also heute nicht funktionieren?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Funktioniert das auch auf anderen Ebenen als der sportlichen?</em></strong></p>
<p>TS: Ja, auch das merkt man. Wenn da mal ein paar frechere V&ouml;gel dabei sind und du denen etwas auf die Finger klopfst bevor du ein Autogramm gibst, h&ouml;ren die auf dich. Das hat dann auch nichts mit dem Fu&szlig;ball direkt zu tun. Wenn jemand zu dir aufschaut und du sagst ihm etwas, dann h&ouml;rt er dir schon zu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Kommen wir doch mal zum Golf, deiner Leidenschaft. Das ist mittlerweile ein dickes Klischee &ndash; der Fu&szlig;baller steht sonst nur auf dem Golfplatz. Wie kommt man aber wirklich dazu? Schlittert man als Fu&szlig;baller automatisch in entsprechende Kreise?</em></strong></p>
<p>TS: Nein, &uuml;berhaupt nicht! Zu N&uuml;rnberger Zeiten habe ich mir das noch gar nicht vorstellen k&ouml;nnen, weil ich damals nur das Vorurteil des Rentnersports kannte. Ich bin erst im zweiten Jahr hier in Aachen auf den Geschmack gekommen. Wir waren in der Sommervorbereitung in einem Golf Resort Hotel im Westerwald, und ich bin nach dem Abendessen mit dem ehemaligen Aachener Spieler Kristian Nicht ein paar B&auml;lle kloppen gegangen. Mit den ersten paar Schl&auml;gen habe ich gemerkt, dass mir das gro&szlig;en Spa&szlig; macht. Wir haben uns vorgenommen, uns hier in Aachen mal umzuschauen, wo es auch den ein oder anderen Golfplatz gibt, um beizeiten auch hier mal zu spielen. Das hat sich ziemlich schnell zur Sucht entwickelt, denn mit der Zeit wird man besser, und wenn der Ball dann auch dahin geht, wo du ihn hinschlagen wolltest, macht es gleich nochmal so viel Spa&szlig;. Reine &Uuml;bungssache, &Uuml;bung macht auch hier den Meister.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dann haben immer mehr Freunde, auch au&szlig;erhalb des Fu&szlig;balls, mitgezogen, und mittlerweile gehen wir regelm&auml;&szlig;ig Anfang der Woche, bei Trainingsfrei und sch&ouml;nem Wetter, mit Freunden spielen. Der Freundeskreis ist mittlerweile so gro&szlig;, dass da immer zwei, drei Leute mitziehen. Und wie eben erw&auml;hnt planen wir regelm&auml;&szlig;ig in der Sommerpause den Aufenthalt in einer Stadt, wo wir tags&uuml;ber auf dem Golfplatz stehen und uns abends ins Nachtleben st&uuml;rzen&#8230;</p>
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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Was macht denn jetzt tats&auml;chlich die Faszination am Golf aus? Ist es die frische Luft oder das sch&ouml;ne Wetter? Oder vielleicht sogar die Tatsache, dass das Golfen so v&ouml;llig anders ist als der Fu&szlig;ball? Da stehst du in der Mitte des Stadions, um dich herum Tausende von Leuten, aufgeladen mit Emotionen, hier hast du Ruhe, bist auf dich konzentriert. Golf ist doch vergleichsweise bed&auml;chtig, nehme ich an&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Was mich daran so fasziniert, kann ich gar nicht erkl&auml;ren. Mir macht dieser Sport richtig Spa&szlig;. Vielleicht weil man richtig konzentriert sein muss, man muss sich einen Plan ausarbeiten. Ich bin au&szlig;erdem soweit, dass ich immer besser werden will. Anfangs habe ich mich schon gefreut, wenn der Ball einfach mal geflogen ist, jetzt will ich ein Loch, das Par 4 ist, auch mit dem vierten Schlag beenden. Man setzt sich auch beim Golfen Ziele, die man unbedingt umsetzen will.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schwer zu sagen, meinen Golfpartnern f&auml;llt die Erkl&auml;rung aber auch schwer. Na klar, das sch&ouml;ne Wetter und die frische Luft&#8230; Aber mir w&uuml;rde es keinen Spa&szlig; machen, alleine auf den Platz zu gehen! Ich brauche mindestens einen Mitspieler. Hm, der sportliche Wettbewerb spielt nat&uuml;rlich auch eine Rolle, auch wenn es ein eher lustiger Wettbewerb ist. Wenn ich den Ball 40 Meter rechts in die Karpaten haue, lachen sich die anderen nat&uuml;rlich schlapp und ziehen mich durch den Kakao. Das macht mir genauso Spa&szlig;, wie am Ende zu wissen, dass ich nach 18 Loch doch der bessere war&#8230; auch wenn es um nichts geht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Also w&auml;re Minigolf jetzt keine Alternative?</em></strong></p>
<p>TS: Nein. Das ist etwas v&ouml;llig anderes. Mir macht das Putten &uuml;berhaupt keinen Spa&szlig;, was ja die Hauptsache beim Minigolf ist. Der Ball muss fliegen! Der muss sauber getroffen werden und seine 100 bis 200 Meter machen. Das gibt ein viel gr&ouml;&szlig;eres Gl&uuml;cksmoment als mit dem Putter auf dem Gr&uuml;n zu stehen. Klar, wenn du einen extremen Putt &uuml;ber zehn Meter einlochst, ist das auch etwas Besonderes. Doch bei weitem nicht so, wie wenn der Ball in der Luft ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Nach dem Putter f&uuml;rs Wohnzimmer wollte ich eigentlich auch fragen. Den hast du also nicht zu Hause?</em></strong></p>
<p>TS: Doch, das wiederum schon. Aber nur, weil ich diese Putting-Matte zum Geburtstag geschenkt bekommen habe&#8230; aber die benutze ich sehr selten. Macht mir nicht soviel Spa&szlig;&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Besitzt du denn auch so ein richtiges Golf-Outfit? Schieberm&uuml;tze, Karos, Knickerbocker? </em></strong></p>
<p>TS: &Auml;h, Knickerbocker nicht, aber schon die Karohose. Zum Teil habe ich die auch an. Aber&#8230; (&uuml;berlegt) ach, die hat mir irgendwann mal gefallen und ich habe sie mir gekauft. Ich bin jetzt nicht bewusst in den Laden gegangen und habe gesagt, ich brauche die klassische Golfer-Montur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Aber das geh&ouml;rt schon so ein bisschen dazu f&uuml;r dich?</em></strong></p>
<p>TS: Na ja, das Polo-Shirt geh&ouml;rt dazu, das ist so. Etikette ist das zwar nicht, glaube ich. Man spricht ja auch beim Golf von Etikette, also von den Dingen, die man zu tun oder zu lassen hat. Ich wei&szlig; jetzt auch gar nicht, ob der Kragen ein Muss ist oder ob auch ein Rolli ginge&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Ha, das wusste ich gar nicht&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: &#8230;Shorts sollten zum Beispiel mindestens bis zu den Knien gehen, k&uuml;rzer wird nicht gerne gesehen. Im Unterhemd sollte man auch nicht unbedingt abschlagen. Jedenfalls ist das in Deutschland so, ich wei&szlig; nicht, wie es in anderen L&auml;ndern ist. Die Kleiderordnung geh&ouml;rt auf dem Platz zur Etikette.</p>
<p>&nbsp;</p>

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<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Golf scheint dir nicht nur Spa&szlig; zu machen, du f&uuml;hlst dich auch richtig wohl dabei&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Wenn du wei&szlig;t, du hast einen freien Tag und sch&ouml;nes Wetter und du planst, um zehn Uhr am ersten Abschlag zu stehen, dann kommt die Vorfreude sofort hoch. Die richtigen Leute m&uuml;ssen dabei sein, wie gesagt. Ich gehe nicht raus, um jemanden kennenzulernen, ich m&ouml;chte mit den richtigen Leuten rausgehen. Ich bin auch niemand, den du in einen Raum wirfst und der dann drei Stunden sp&auml;ter die H&auml;lfte der Menschen, die sich darin befinden, kennt. Ich habe Spa&szlig; im richtigen Umfeld, mit den richtigen Leuten, mit den Freunden vom Bodensee oder hier aus Aachen. Nat&uuml;rlich auch mit meiner Freundin&#8230; (und grinst).&nbsp;Wir &uuml;berlegen schon, wann wir wieder mal einen ruhigen Sofaabend hinlegen, anstatt mit dem oder dem essen zu gehen (lacht). Der Freundeskreis ist so gro&szlig; geworden. Aber meine Freundin ist da wie ich: Wir unternehmen gerne etwas mit den Menschen, die wir m&ouml;gen. Das hat einen gewissen Wert f&uuml;r uns.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das hei&szlig;t, zum Wohlf&uuml;hlen braucht es f&uuml;r euch das Miteinander&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Es geht um das Menschliche. Mein Beruf bringt eben auch viel Zeit mit sich, die wir gerne in das Zwischenmenschliche investieren. Das ist f&uuml;r uns Luxus, nicht eine gro&szlig;e Shopping-Tour. In einer Runde mit deinen Freunden zu sitzen oder eben auf dem Golfplatz zu stehen und zu flachsen und zu lachen&#8230; dabei f&uuml;hle ich mich wohl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Wor&uuml;ber kannst du lachen?</em></strong></p>
<p>TS: Hm, &uuml;ber vieles. Das kann ich nicht pauschal sagen. (&uuml;berlegt) Keine Ahnung, da gibt es ein gro&szlig;es Spektrum bei mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Kannst Du &uuml;ber dich selber lachen?</em></strong></p>
<p>TS: (sofort) Ja!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Eigentlich wollte ich dir ein Foto mitbringen, das ich im Internet gefunden habe: Du stehst an der Seitenlinie bei einer Einwechslung, kramst dir in der Hose und verziehst das Gesicht dabei&#8230;</em></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>TS: Das Foto kenne ich&#8230; da habe ich einen Ball in den Unterleib bekommen, glaube ich. Aber ich habe kein Problem damit, dass das im Internet kursiert und jemand &uuml;ber mich lacht. In unserer Runde kriegt ja auch jeder sein Fett weg. Es geh&ouml;rt dazu, dass andere mal &uuml;ber dich lachen. F&uuml;r mich ist das in Ordnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Das Foto h&auml;tte vielleicht auch ganz gut zum Thema &lsquo;W&uuml;rde&lsquo; gepasst. Schlie&szlig;lich ist das eins der ersten Bilder, die man bei der Google Bildersuche findet, wenn man deinen Namen eingibt. Das ist vielleicht nicht jedem so angenehm&#8230;</em></strong></p>
<p>TS: Bestimmt nicht, nein. Aber f&uuml;r mich stellt das kein Problem dar. Nat&uuml;rlich gibt es gewisse Grenzen &ndash; pers&ouml;nliche, die G&uuml;rtellinie, oder auch der Bereich der Familie. Vielleicht bin ich auch deshalb in keiner der einschl&auml;gigen Communities im Internet vertreten. Ich habe nat&uuml;rlich schon ein paar Mal &uuml;berlegt, irgendeiner beizutreten, aber ich denke, es w&uuml;rde mir schwerfallen, Freundschaftsanfragen abzulehnen, &lsquo;nein&lsquo; zu sagen. Auch bei Leuten, die ich nicht kenne, und da ich ja ein wenig in der &Ouml;ffentlichkeit stehe, k&auml;me ich wohl &ouml;fter in diese Situation. Ich m&ouml;chte aber nichts preisgeben, was jemanden, den ich nicht kenne, nichts angeht. Da habe ich es lieber ganz sein gelassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>PT: Thomas Stehle, vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</em></strong></p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Thomas+Stehle+%E2%80%93+Das+Interview+http://6strm.th8.us" title="Post to Twitter"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://delicious.com/post?url=http://playerstalk.de/2010/06/01/thomas-stehle-das-interview/&amp;title=Thomas+Stehle+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Delicious"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-delicious.png" alt="Post to Delicious" /></a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://playerstalk.de/2010/06/01/thomas-stehle-das-interview/&amp;t=Thomas+Stehle+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://playerstalk.de/2010/06/01/thomas-stehle-das-interview/&amp;t=Thomas+Stehle+%E2%80%93+Das+Interview" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://playerstalk.playersmedia.de/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Cristian Fiel &#8211; Das Interview</title>
		<link>http://playerstalk.de/2010/05/05/cristian-fiel-das-interview/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 03:05:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Maassen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Cristian Fiel]]></category>

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		<description><![CDATA[&#34;Fr&#252;her habe ich f&#252;r meine Ziele im Fu&#223;ball gebetet. Heute habe ich zwei Kinder, da betest du f&#252;r Gesundheit &#8211; f&#252;r dich und die Familie!&#34;

Das Spiegelfoyer, erste Etage des Stadttheaters Aachen. Kommt man die Treppe hinauf, so &#246;ffnet sich dem Blick des Betrachters nach und nach ein hoher lichtdurchfluteter Raum, der durch seine Spiegel rechts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>&quot;Fr&uuml;her habe ich f&uuml;r meine Ziele im Fu&szlig;ball gebetet. Heute habe ich zwei Kinder, da betest du f&uuml;r Gesundheit &#8211; f&uuml;r dich und die Familie!&quot;</h3>
<p><img alt="Cristian Fiél" class="alignnone size-large wp-image-104" src="http://playerstalk.de/files/2010/04/bw-510x125.jpg" style="width: 510px;height: 125px" title="Cristian Fiél" /></p>
<p>Das Spiegelfoyer, erste Etage des Stadttheaters Aachen. Kommt man die Treppe hinauf, so &ouml;ffnet sich dem Blick des Betrachters nach und nach ein hoher lichtdurchfluteter Raum, der durch seine Spiegel rechts und links noch viel mehr Tiefe bekommt, je l&auml;nger man sich umschaut und den Raum auf sich wirken l&auml;sst. So beeindruckend das erste &Ouml;ffnen also auch schon ist, so lohnenswert ist erst recht der Seitenblick, der das Gesamtbild erst komplett macht.</p>
<p>Cristian Fi&eacute;l ist Fu&szlig;baller und das, was man wohl einen Muster-Profi nennt. Der 30-j&auml;hrige bringt die Erfahrung aus seinem Leben um die Profistationen im Schwabenland, in Berlin, im Ruhrpott und im Rheinland mit, national und international. Cristian Fi&eacute;l hat eine ganze Menge gesehen. Und trotzdem, so gestand er uns, war er vor diesem Interview ein bisschen nerv&ouml;s, weil es mal nicht um das letzte Spiel ging, also eben nicht um den Profi, sondern um den Familienvater, den Kumpel, den Spanier, kurz: um den Menschen.</p>
<p>Wir trafen &bdquo;Fielo&ldquo; in diesem beeindruckenden Spiegelfoyer und haben einen &auml;u&szlig;erst souver&auml;nen und bodenst&auml;ndigen Mann kennengelernt, der sich selbst manchmal ein wenig langweilig findet und der im Interview so vielseitig mit den H&auml;nden arbeitet, wie im Beruf mit den F&uuml;ssen.</p>
<p><span id="more-55"></span></p>
<p><em><strong>playersTALK: Cristian Fi&eacute;l, sch&ouml;n dass du bei uns bist!</strong></em></p>
<p>Cristian Fi&eacute;l: Danke! Find&rsquo; ich auch&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Du hast uns im Vorgespr&auml;ch gesagt, die Familie sei das Wichtigste f&uuml;r dich. Ob das denn nicht zu langweilig w&auml;re&#8230;</strong></em></p>
<p>CF: Das habe ich deshalb gesagt, weil ich schon eine Menge Leute in meinem Umfeld damit langweile, glaube ich. Aber es ist so: ich bin durch und durch Familienmensch. F&uuml;r mich gibt&rsquo;s nichts Wichtigeres.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Dein Beruf bringt es mit sich, dass du fr&uuml;her oder sp&auml;ter damit rechnen musst, den Standort zu wechseln. Was du ja auch schon mehrfach getan hast. Gibt es da noch etwas, das man Heimat nennen k&ouml;nnte?</strong></em></p>
<p>CF: Ja, das gibt es auf jeden Fall. Die Frage ist nur: wann darf man dahin zur&uuml;ck? Ich bin in Stuttgart gro&szlig; geworden, habe aber das Gl&uuml;ck gehabt, eineinhalb Jahre in Berlin spielen zu d&uuml;rfen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich an der Stadt irgendwie h&auml;ngen geblieben bin; sie ist meine Heimat geworden. Wann ich allerdings dahin zur&uuml;ck kann, muss man sehen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: &bdquo;Nur&ldquo; eineinhalb Jahre Berlin &ndash; das hei&szlig;t, die Zeit ist f&uuml;r dich nicht unbedingt ein Kriterium, um einen Ort zur Heimat werden zu lassen?</strong></em></p>
<p>CF: Nein, sonst w&auml;re Stuttgart meine Heimat. Meine Freundin kommt aus Berlin, die Stadt hat mich in ihren Bann gezogen, fasziniert mich. Ich f&uuml;hle mich als Berliner.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: 1999 bist du bei den Stuttgarter Kickers Profi geworden, da warst du 19 Jahre alt. du bist in Esslingen bei Stuttgart geboren, was bedeutet, dass du nicht unbedingt von zu Hause weg musstest&#8230;?</strong></em></p>
<p>CF: Nein, erstmal nicht. Ich habe zu der Zeit noch bei meinen Eltern gewohnt, bis zwei Jahre sp&auml;ter der Schritt nach Berlin kam. Das hie&szlig; gleich richtig raus, weg von zuhause, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass das genau richtig so war&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: &#8230;genau richtig, diesen Schritt so sp&auml;t zu machen oder eben zu diesem Zeitpunkt?</strong></em></p>
<p>CF: Nein, nein, so <em>fr&uuml;h</em>&#8230; Hm&#8230; also ich glaube, dass das fr&uuml;h ist. Na ja, das ist nun mal so, wenn man bei Mama ist, wird einem viel abgenommen, was ja ganz normal ist. Aber so habe ich recht fr&uuml;h gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: War das f&uuml;r dich vielleicht auch ein Teil der Pr&auml;gung, die dich zum Familienmenschen gemacht hat? Denn heutzutage hei&szlig;t es ja oft schon mit 15 Jahren: ab ins Fu&szlig;ballinternat, also weg von zu Hause und auf eigenen Beinen stehen, wohingegen du die Nestw&auml;rme ja doch etwas l&auml;nger genie&szlig;en durftest.</strong></em></p>
<p>CF: Ja, das wird wohl daher kommen. Meine Eltern haben mir das geboten, was man in dem jungen Alter, wenn wir denn da von einem jungen Alter sprechen kann, und in so einer Situation braucht. Sie haben mir viel mitgegeben, und dahingehend liegen wir auf einer Wellenl&auml;nge, denke ich. Nat&uuml;rlich sieht man einige Dinge anders, aber im Gro&szlig;en und Ganzen geht das schon in dieselbe Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Nochmal kurz zur&uuml;ck zum Heimatgef&uuml;hl&#8230; Heimat ist da, wo du dich wohl f&uuml;hlst? Wovon h&auml;ngt das ab?</strong></em></p>
<p>CF: (z&ouml;gert) Hm. Das kann ich so gar nicht beantworten. Also als ich nach Berlin kam, habe ich nach zwei Monaten weinend am Telefon gehangen und habe meinen Eltern gesagt, sie sollen mich doch bitte wieder zur&uuml;ck holen, ich komme hier gar nicht klar. Das war alles so gro&szlig; und weit, ohne Navi findest du nichts. Und dann, nach f&uuml;nf Monaten habe ich gesagt, Mensch, wenn ich hier noch mal weg muss, dann bricht&rsquo;s mir das Herz. Hmm. Ich k&ouml;nnte jetzt keinen speziellen Faktor nennen, der einen Ort f&uuml;r mich zur Heimat macht. Dort hat eben alles gepasst, das ist nicht umsonst die Hauptstadt. Du kannst da unglaublich viel machen, hast unendliche M&ouml;glichkeiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Es gibt ein Zitat von dir, in dem es hei&szlig;t, die Geburt Deines Sohnes habe Dein ganzes Leben umgekrempelt. Mittlerweile bist du zweifacher Vater. Spielt die Familie bei einem Standortwechsel also eine noch gr&ouml;&szlig;ere Rolle? Besprichst du Deine Angebote mit Deiner Familie?</strong></em></p>
<p>CF: Ja, selbstverst&auml;ndlich! Na gut, mein Sohn ist jetzt vier, meine Tochter ist acht Monate alt, mit denen kann ich noch nicht allzu viel besprechen. Aber mit meiner Freundin rede ich nat&uuml;rlich &uuml;ber alles. Wir sind eine Familie, und ich h&ouml;re mir auch ganz genau an, was sie mir dazu zu sagen hat. Schlie&szlig;lich muss sie sich genauso wohl f&uuml;hlen wie ich. Letzten Endes ist es aber auch nun mal so, dass man als Fu&szlig;baller ein gutes Angebot annehmen muss. Mir ist aber ebenso wichtig, dass meine Freundin dahingehend hinter mir steht und auch mit einem guten Gef&uuml;hl mit mir geht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Gibt es eigentlich noch einen famili&auml;ren Bezug nach Spanien?</strong></em></p>
<p>CF: Ich habe noch Verwandtschaft da, ja. Aber ehrlich gesagt war ich in den letzten zehn Jahren nur zweimal zu Besuch bei ihr. Ich mache zwar immer Spanien-Urlaub, aber jedes Mal wieder woanders. Der Bezug ist schon noch da, der Kontakt aber nicht so eng.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Gibt es in diese Richtung heimatliche Gef&uuml;hle?</strong></em></p>
<p>CF: Ich f&uuml;hle mich als 100%er Spanier, das habe ich auch schon oft gesagt. Spanien ist mein Land, worauf ich auch stolz bin. &acute;Heimatliche Gef&uuml;hle&acute; w&auml;re &uuml;bertrieben, aber wie das so bei den Spaniern ist, wenn&rsquo;s drauf ankommt, ist man f&uuml;reinander da.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Sprichst du mit Deinen Kindern spanisch?</strong></em></p>
<p>CF: Ja, das ist sehr wichtig f&uuml;r mich. Schon wegen unserer Wurzeln.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Mal angenommen, Deine Kinder schlagen eine &auml;hnliche Karriere wie du ein, im Sport, vielleicht sogar im Fu&szlig;ball, und gehen dann vielleicht sogar noch fr&uuml;her als du von zu Hause weg und ins Sportinternat. W&uuml;rdest du das Deinen Kindern empfehlen?</strong></em></p>
<p>CF: Der Traum meines Vaters war es immer, dass ich schon so fr&uuml;h wie m&ouml;glich bei einem gro&szlig;en Verein ins Internat komme. Er war der Meinung, dass es sp&auml;ter umso leichter ist, je fr&uuml;her man die wichtigen Sachen mit auf den Weg bekommen hat. Der Meinung bin ich eigentlich auch. (z&ouml;gert) Aber jetzt, da ich selber Kinder zu Hause habe&#8230; Ich glaube, dass es mir schon schwer fallen w&uuml;rde, wenn mein Sohn mit 14, 15 die Chance h&auml;tte, da und da hin zu gehen&#8230; Schwer zu sagen. Meine Freundin w&uuml;rde auf jeden Fall nein sagen! Hm, ich w&uuml;rde wahrscheinlich daf&uuml;r k&auml;mpfen, dass er&rsquo;s macht, weil es ja schon eine gro&szlig;e M&ouml;glichkeit ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: du hast also diese Entscheidung f&uuml;r dich niemals bereut, hast niemals Zweifel gehabt, dieser Weg Fu&szlig;ball bzw. Profisportler k&ouml;nne vielleicht zu unsicher sein?</strong></em></p>
<p>CF: Nein, ich wollte nie etwas anderes machen. Ich habe schon fr&uuml;h angefangen, sowohl daf&uuml;r zu arbeiten als auch zu leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Hast du das Gef&uuml;hl, du musstest daf&uuml;r Opfer bringen?</strong></em></p>
<p>CF: Na ja, was hei&szlig;t Opfer&#8230; Klar konnte man nicht so oft weggehen, wie die Freunde, aber ich w&uuml;rde das im Nachhinein nicht als Opfer bezeichnen. Ich konnte trotzdem noch genug ausgehen und meinen Spa&szlig; haben. Von daher w&uuml;rde ich sagen, nein, ich habe nicht gelitten. Doch man muss nat&uuml;rlich gewisse Opfer bringen, sonst geht&rsquo;s nicht. Aber f&uuml;r mich war das okay.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Anderes Thema&#8230; Gerade im Fu&szlig;ball sieht man es ganz oft: viele Spieler bekreuzigen sich, wenn sie den Rasen betreten oder nachdem sie ein Tor geschossen haben. Bei dir sieht man es auch ab und zu. Denkst du, dass der Glaube heutzutage tats&auml;chlich wieder jemandem Halt geben kann, oder ist das Bekreuzigen gerade einfach nur in?</strong></em></p>
<p>CF: Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass der Glaube dir die Kraft geben kann, die du brauchst. Allerdings muss ich dir Recht geben, ich habe bei vielen das Gef&uuml;hl, dass es wirklich Mode ist. Ich kann nur f&uuml;r mich sprechen: ich bin davon &uuml;berzeugt, dass es mir Kraft gibt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Und dir auch Kraft gegeben hat auf dem Weg zum Profi? Und &uuml;berhaupt im Leben?</strong></em></p>
<p>CF: Ich muss ganz ehrlich sagen&#8230; (&uuml;berlegt) also fr&uuml;her waren die Ziele noch andere&#8230; na ja&#8230; da tr&auml;umst du von Real Madrid, von Barcelona, von den besten Clubs der Welt und betest nat&uuml;rlich f&uuml;r diese Tr&auml;ume, bittest um Hilfe. Heute ist das ein bisschen anders; ich habe zwei Kinder, da betest du f&uuml;r Gesundheit, f&uuml;r dich und die Familie, weil etwas anderes einfach nicht mehr interessiert. Insoweit sch&ouml;pfe ich aus dem Glauben immer noch Kraft, die Priorit&auml;ten &auml;ndern sich nur ein wenig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Was gibst du davon Deinen Kindern weiter? Und wie gibst du es weiter?</strong></em></p>
<p>CF: Im Moment passiert da noch nicht allzu viel. Ich bete nicht jeden Abend mit ihnen oder erz&auml;hle ihnen etwas von Gott, weil ich denke, dass sie dazu noch zu klein sind. Bisher habe ich ihnen also noch nicht sehr viel von meinem Glauben mitgegeben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Das &auml;u&szlig;ert sich doch wahrscheinlich auch momentan eher in gewissen Wertvorstellungen, etwa in der Art, wie man miteinander umgeht?</strong></em></p>
<p>CF: Na klar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: St&uuml;tzt du dich in Sachen Sozialverhalten auch auf die Religion?</strong></em></p>
<p>CF: (&uuml;berlegt) Also ich schlage jetzt nicht dauernd die Bibel auf und sage, nur so geht&rsquo;s, da steht&rsquo;s drin, das w&auml;re vollkommen &uuml;bertrieben. Ich kann auch nicht blind alles guthei&szlig;en, was die Kirche so macht. Ich habe meine eigene Meinung dazu, die ich so auch meinen Kindern weitergeben werde, weil ich denke, dass ich dahingehend auf dem richtigen Weg bin. Wahrscheinlich w&auml;re da nicht jeder meiner Meinung, aber f&uuml;r mich, f&uuml;r meine Freundin, f&uuml;r meine Familie denke ich, ist das ein guter Weg. Den werde ich auch so weitergehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Gibt es auch Momente, in denen dich der Glaube verl&auml;sst?</strong></em></p>
<p>CF: Nein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Du bist sehr gefestigt?</strong></em></p>
<p>CF: Hm, nein. Es gibt nat&uuml;rlich Momente, in denen du dich einfach nur fragst: warum? Wieso? Aber ich kann mich bis jetzt nicht beschweren.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Und der Glaube begleitet dich im Alltag? Also nicht praktiziert, aber als Grundlage des Handelns? Religion als Leitfaden?</strong></em></p>
<p>CF: Ich bin &uuml;berzeugt davon, dass, wenn du wei&szlig;t, wie dein Weg aussieht und du dich auch daran h&auml;ltst, du auch ein guter Mensch sein kannst. Ich mache mir dar&uuml;ber auch nicht st&auml;ndig und den ganzen Tag Gedanken. Ich versuche einfach, ein guter Mensch zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Kommt dein Versuchen, ein guter Mensch zu sein, direkt aus der Religion oder vielleicht doch eher aus deiner Erziehung? Spielte die Kirche in deiner Erziehung eine Rolle?</strong></em></p>
<p>CF: Ich w&uuml;rde jetzt l&uuml;gen, wenn ich sage, meine Eltern h&auml;tten mich fr&uuml;her jeden Sonntag in die Kirche gezwungen. Das war nicht so. Ich war damals &ouml;fter in der Kirche als heute, weil ich auch die Zeit dazu hatte, aber ich lebe trotzdem nicht nach den zehn Geboten. So etwas wie &bdquo;du sollst nicht t&ouml;ten&ldquo;, bitte &ndash; das erkl&auml;rt sich auch von selbst, denke ich. Ich versuche einfach f&uuml;r mich zu sagen, hey Fielo, so und so kannst du Leuten helfen, so kannst du in den Spiegel gucken und sagen, das ist korrekt. Nat&uuml;rlich kann man nicht jedermanns Liebling sein. Ich glaube aber von mir sagen zu k&ouml;nnen, dass die Mehrheit der Menschen, die mich wirklich kennen, von mir behaupten, ich sei ein guter Kerl. Das ist auch wichtig f&uuml;r mich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: K&uuml;rzlich war in der Zeitung von deiner Schirmherrschaft &uuml;ber einen Benefiz-Lauf der Hilfsorganisation &bdquo;Aachener Engel&ldquo; zu lesen, die Mannschaft hat vor einiger Zeit ein Begegnungszentrum der Lebenshilfe besucht. Wie wichtig ist f&uuml;r dich als private Person, im Gegensatz zum Profifu&szlig;baller, der in der &Ouml;ffentlichkeit steht, das soziale Engagement?</strong></em></p>
<p>CF: Sehr wichtig. Da kommen wir wieder auf den Punkt von eben zur&uuml;ck. Allerdings&#8230; als mich der Vorsitzende der &bdquo;Aachener Engel&ldquo; gefragt hat, war f&uuml;r mich sofort klar, dass ich die Schirmherrschaft f&uuml;r den Lauf &uuml;bernehme. Aber ich brauche das nicht jeden Tag in der Zeitung zu lesen. Na gut, in diesem Fall hat es schon Sinn gemacht, da der Artikel ja ein Aufruf war. Ich brauche das &Ouml;ffentliche dabei nicht, aber manchmal geht es nicht anders. Trotzdem bin ich f&uuml;r den guten Zweck immer zu haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Glaubst du, das soziale Engagement w&uuml;rde sich schwieriger gestalten, wenn du kein Profisportler w&auml;rst, sprich: finanziell anders gestellt w&auml;rst?</strong></em></p>
<p>CF: Im Gegenteil! Manchmal glaube ich, es w&auml;re sogar einfacher f&uuml;r mich, da dann nicht jeden Tag dar&uuml;ber berichtet w&uuml;rde. Ich k&ouml;nnte dem nachgehen und m&uuml;sste nicht t&auml;glich lesen, da macht er wieder, da macht er nicht, oder wie auch immer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Wie wichtig ist denn &uuml;berhaupt Geld?</strong></em></p>
<p>CF: (&uuml;berlegt) Was soll ich dir dazu sagen? (&uuml;berlegt weiter) Pffft, es erleichtert halt einiges. Wenn jemand etwas anderes sagt, dann ist es nicht die Wahrheit. ABER&#8230; (&uuml;berlegt wieder) wie soll ich das sagen?! Es beruhigt nat&uuml;rlich auch, ja, aber es ist bei weitem nicht alles.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Vielleicht mal von einer anderen Warte aus gefragt: du verdienst dein gutes Geld als Profisportler, als Fu&szlig;ballprofi, hast also dein Hobby zum Beruf machen k&ouml;nnen, was ja an sich schon eine sch&ouml;ne Sache ist. Auf der anderen Seite stehst du dadurch in der &Ouml;ffentlichkeit, gibst etwas von deinen Freiheiten und vielleicht auch deiner Privatsph&auml;re her. Ich denke da z.B. an w&uuml;ste Beschimpfungen im Stadion &ndash; der Fall Paolo Guererro ist da aktuell. Im Bezug zur &bdquo;Bezahlung&ldquo; &ndash; ist das gerechtfertig?</strong></em></p>
<p>CF: Also eine Sache ist ja mal klar, egal wie viel Geld du verdienst: Niemand hat das Recht, dich aufgrund dessen zu beleidigen! Ich gehe doch auch nicht im Stadion hin und sage, oh, der da hinten hat jetzt gebuht, der arbeitet da und da im Vorstand und verdient auch richtig Geld, jetzt schaue ich mal, ob der seine Arbeit richtig macht. Nur weil jemand viel oder mehr Geld verdient, ist er nicht gleich Freiwild. Auf der anderen Seite kommen die Menschen nat&uuml;rlich ins Stadion, um den Sport zu sehen und ihrer Freude oder ihrem &Auml;rger Luft zu machen. Solange dabei meine sportliche Leistung beurteilt wird, ist das vollkommen in Ordnung. Aber selbst im Profisport ist es so, dass man nicht immer die H&ouml;chstleistung bringen kann, auch wenn man viel Geld verdient. Man hat eben mal einen schlechten Tag oder schlechte Phasen. Das ist menschlich. Ich gebe immer 100%, gebe alles, was in mir steckt. Das sieht manchmal besser, manchmal schlechter aus. Und dann kommen die Beschimpfungen. Aber solange ich mir selber nichts vorzuwerfen habe&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Kratzt das denn nicht an der W&uuml;rde? Ist dein Gehalt nicht sogar ein wenig Schmerzensgeld?</strong></em></p>
<p>CF: Vorsichtig gesagt: Ein Teil ist sicher auch Schmerzensgeld. Schlie&szlig;lich kann jeder, auch der, der vielleicht noch nicht einmal das Spiel pers&ouml;nlich gesehen hat, &uuml;ber mich urteilen und das auch so weitertragen. Trotzdem w&uuml;rde ich den Fu&szlig;ball gegen nichts in der Welt eintauschen, weil es f&uuml;r mich der sch&ouml;nste Beruf der Welt ist!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Nicht zu vergessen, dass du ja im Grunde eine viel k&uuml;rzere Spanne hast, um Geld zu verdienen. Sp&auml;testens mit Mitte 30 ist die Karriere zu Ende, wo andere mit Mitte 60 erst ankommen&#8230;</strong></em></p>
<p>CF: &#8230;und da sind wir beim n&auml;chsten Punkt: Viele sind ja der Meinung, dass wir nach dem Karriereende die Taschen so voller Geld haben, dass wir nichts mehr zu tun brauchen. Das ist gelinde gesagt Bl&ouml;dsinn. Man muss das realistisch sehen: Selbst in der Bundesliga reden wir von vielleicht 40% der Spieler, die ein bisschen ihr Geld beisammen halten k&ouml;nnen und nach der Karriere dann eventuell ausgesorgt haben. Ich bin im Schwabenland aufgewachsen, habe zwei Jahre Bundesliga und sonst in der Zweiten Liga gespielt, ich g&ouml;nne mir ab und zu mal was, schmei&szlig;e aber mein Geld nicht mit beiden H&auml;nden aus dem Fenster. Und trotzdem ist es sonnenklar, dass ich in jedem Fall weiter arbeiten muss.</p>
<p>&nbsp;</p>

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</a>

<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Also gibt es auch Existenz&auml;ngste? Baue ich ein Haus, setze ich Kinder in die Welt?</strong></em></p>
<p>CF: Nat&uuml;rlich gibt es die. Seit ich Kinder habe noch viel mehr, klar. Schlie&szlig;lich habe ich die Verantwortung f&uuml;r meine Freundin, die ja quasi auch alles f&uuml;r mich aufgegeben hat, als sie vor acht Jahren mit mir aus Berlin weggezogen ist, ebenso f&uuml;r meine Kinder. Klar schwingen da auch Existenz&auml;ngste mit, aber ich bin &uuml;berzeugt davon, dass man etwas nach dem Sport findet, wenn man es wirklich will. Wobei ich erw&auml;hnen muss, dass ich eine Partnerin habe, die immer positiv an die Sachen herangeht. Eine, die sagt, hey, wir machen das schon! Ich bin mehr derjenige, der zuviel nachdenkt, sich Sorgen macht. Und sie hat vollkommen Recht: wir sind beide gesund, wir k&ouml;nne beide arbeiten und haben beide Familie, die uns zur Seite steht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>PT: Glaubst du, du hast eine Vorbildfunktion? Denkst du, du kannst auf Jugendliche einwirken, denen ja immer mehr Respekt- und Disziplinlosigkeit vorgeworfen wird? Wenn ja, wie?</strong></em></p>
<p>CF: Grunds&auml;tzlich glaube ich, dass man da Einfluss nehmen kann. Da sind wir wieder beim Thema guter Mensch&#8230; Ich versuche mich korrekt zu verhalten, und warum soll das nicht auf andere abf&auml;rben?</p>
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<p><em><strong>PT: Gemessen an dem, was man von dir &ouml;ffentlich kennt&#8230;</strong></em></p>
<p>CF: Na ja, da sieht ein Jugendlicher, dass ich mein Bestes gebe, f&uuml;r die Mannschaft k&auml;mpfe und mich in den Dienst der Sache stelle. Dazu kommen nat&uuml;rlich kleinere Dinge neben dem Platz: Ich laufe durch die Stadt, bin privat unterwegs, ein kleiner Junge sieht mich und fragt, ob ich ihm kurz ein Autogramm geben k&ouml;nnte&#8230; Was kostet mich das, da mal kurz zu unterschreiben und freundlich zu sein? Er bedankt sich, ich w&uuml;nsche einen sch&ouml;nen Tag. Ich sp&uuml;re da auch keinen Druck, da das ja wie gesagt ein ganz normales Verhalten f&uuml;r mich ist, wie ich es auch meinen Kindern weitergeben m&ouml;chte. Ich denke, das merkt man mir an und spielt schon eine Rolle.</p>
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<p><em><strong>PT: &bdquo;Ungerechtigkeit bringt mich auf die Palme&ldquo;, habe ich von dir gelesen. Damit umzugehen m&uuml;sstest du noch lernen, stand da weiter. Hast du das geschafft?</strong></em></p>
<p>CF: Das w&uuml;rde ich immer noch bei Dingen nennen, die mich unheimlich &auml;rgern. Danach wird man ja &ouml;fter mal in einem Interview gefragt. Ungerechtigkeit macht mich verr&uuml;ckt. Damit komme ich nicht klar. Ich habe versucht, den Umgang zu erlernen und hab&rsquo;s mittlerweile aufgegeben. Ich kann&rsquo;s nicht. Ich wei&szlig;, dass es Ungerechtigkeit hier und da mal gibt, dass sie wahrscheinlich noch sehr oft vorkommen wird und ich wei&szlig;, dass ich niemals damit klar kommen werde. Aber ein bisschen was, was ich nicht kann, muss man mir ja auch zugestehen, oder? (lacht) Aber Ungerechtigkeit macht mich kaputt, nicht nur auf dem Platz&#8230;</p>
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<p><em><strong>PT: Wir haben es eben schon mal kurz angerissen &ndash; gibt es konkrete Pl&auml;ne f&uuml;r die Zukunft? Vielleicht auch v&ouml;llig abseits des Sports?</strong></em></p>
<p>CF: Och, mir schwirren da ein paar Sachen durch den Kopf&#8230; Auf der einen Seite w&uuml;rde ich schon gern dem Sport verbunden bleiben, ich bin fu&szlig;ballverr&uuml;ckt, ich liebe Fu&szlig;ball! Auf der anderen Seite sehe ich mich auch schon in meinem Laden mit meiner Freundin, oder dann Frau, ein paar coole Klamotten verkaufen. Ich kann mir auch vorstellen, ein sch&ouml;nes kleines Caf&eacute; zu er&ouml;ffnen.</p>
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<p><em><strong>PT: Was ist mit Absicherungen?</strong></em></p>
<p>CF: Klar sollte man auch an so etwas denken. Aber es geht immer weiter, es wird immer einen Weg geben, ein sch&ouml;nes Leben f&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Wichtig ist, dass wir alles gesund bleiben. Das ist das allerwichtigste!&nbsp;</p>
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<p><em><strong>PT: Wann ist das Leben denn sch&ouml;n? Also was brauchst du, um dich wohl zu f&uuml;hlen? Reden wir hier auch von materiellen Dingen?</strong></em></p>
<p>CF: Nein, meine Lieben sind mir wichtig, aber auch, mal mit den Kumpels im Caf&eacute; zu sitzen und Bl&ouml;dsinn zu quatschen.</p>
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<p><em><strong>PT: Also bestimmt dein &bdquo;Wohlstand&ldquo;, na ja, deine finanzielle Situation eben, nicht dein Konsumverhalten?</strong></em></p>
<p>CF: Na ja, irgendwo nat&uuml;rlich schon. Aber ich wollte nie etwas haben, was ich mir nicht leisten kann. Das w&uuml;rde gar nicht zu mir passen. Ich kaufe mir kein Boot, das ich im ganzen Jahr vielleicht zwei Wochen lang benutzen kann, mich aber trotzdem unheimlich Asche kostet.</p>
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<p><em><strong>PT: Bist du kulturell unterwegs? Liest du, h&ouml;rst du Musik oder siehst dir Filme an?</strong></em></p>
<p>CF: Ich h&ouml;re viel Musik und meine Freundin und ich <em>lieben</em> Kino. Aber ich lese leider viel zu wenig, muss ich gestehen. Und ins Kino gehen wir leider nur noch selten. Wir haben zwar hier unsere Nanny f&uuml;r die Kinder, aber die hat auch nicht immer Zeit. Au&szlig;erdem haben wir hier keine Omas und Opas in der N&auml;he. Da muss man mal ein wenig verzichten, aber unsere Zeit kommt auch wieder. Kleinere Dinge fehlen mir manchmal, so spontan ins Kino oder Essen gehen, mal eben ins Caf&eacute;. Aber ganz ehrlich: Wenn ich gewusst h&auml;tte, wie sch&ouml;n das mit Kindern ist, h&auml;tte ich schon viel fr&uuml;her angefangen! Ich war immer ein Familienmensch und von Kindern begeistert, aber man stellt sich ja doch die Frage, bist du schon soweit, bist du bereit zu verzichten? Aber jetzt, wo ich in der Situation mit zwei Kindern bin, merke ich, mir fehlt nicht wirklich etwas.</p>
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<p><em><strong>PT: Was ist mit dem Internet? Surfst du oft?</strong></em></p>
<p>CF: Ja, aber ich kann dir die paar Seiten aufz&auml;hlen: kicker.de, transfermarkt.de und Klamottenseiten, die ich aber jetzt nicht verrate, sonst laufen die Leute alle in den gleichen Klamotten rum wie ich&#8230;</p>
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<p><em><strong>PT: Also ist das mehr Berieselung f&uuml;r dich oder nutzt du das Netz tats&auml;chlich?</strong></em></p>
<p>CF: Ich suche und nutze schon auch Informationen, aber nicht regelm&auml;&szlig;ig, sondern eher bei Bedarf.</p>
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<p><em><strong>PT: Bist du vernetzt? Etwa mit anderen Sportlern?</strong></em></p>
<p>CF: Sollte ich wohl machen, bin ich aber bisher noch nicht&#8230; Zuerst dachte ich, Facebook w&auml;re eine gute Sache. Ist es auch, um Freunde von fr&uuml;her zu treffen beispielsweise. Das wird aber immer mehr zur Fanseite, was nat&uuml;rlich auch okay ist, aber nicht mehr dem entspricht, was ich mir darunter vorgestellt hatte, als ich mich angemeldet habe.</p>
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<p><em><strong>PT: Cristian Fi&eacute;l, vielen Dank f&uuml;r dieses Interview!</strong></em></p>
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